Stadtwandler wollen marode Panzerbrücke retten

Verschönerungsverein nimmt Kontakt mit Produktionsfirma von MDR-Sendung "Mach dich ran" auf

Von Kai-Uwe Brandt
Wurzen. Eigentlich müsste die Brücke über dem Mühlgraben an der Kleingartenanlage Rodelbahn gesperrt werden. Denn zur letzten Prüfung im Oktober des Vorjahres erhielt der Überweg eine 4,0 als Note, wie Manfred Bresk von der Unteren Straßenverkehrsbehörde auf Anfrage bestätigte.

Die Gründe dafür: morsche Planken, rostiges Geländer, lose Stahlplatten. Eben jener Zustand spielte sogar schon im Stadtrat eine Rolle – am 10. Dezember des Vorjahres. Damals fragte Linken-Abgeordneter Jens Kretzschmar nach und wollte von der Stadtverwaltung wissen, was aus dem desolaten Viadukt wird. Die Antwort darauf gab Bürgermeister Gerald Lehne (CDU), der den Reparaturaufwand mit einem sechsstelligen Betrag bezifferte. Geld, über welches die Verwaltung aber derzeit nicht verfüge.
Mittlerweile hat sich einiges getan. So ging Thomas Zittier, Vorsitzender des Verschönerungsvereins "Die Stadtwandler" und Mandatsträger der Fraktion Bürger für Wurzen, kurz darauf in die Spur, kontaktierte die Produktionsfirma der MDR-Sendung "Mach dich ran". Ende Dezember gab einen Vorort-Termin. "Leider wurde uns dabei schon signalisiert, dass das Vorhaben womöglich eine Nummer zu groß sei für die Verbraucher-Show", teilte Zittier mit. Dennoch, so der 33-Jährige, bot die Gemeinschaft dem Stadthaus Hilfe an. "Wir wären zum Beispiel bereit, das Geländer zu entrosten und neu zu streichen." Denn erklärtes Ziel der Stadtwandler sei es, den Steg, der im Volksmund Panzerbrücke heißt, für Fußgänger und Radfahrer zu erhalten.
Laut Unterlagen im Brückenbuch der Stadt, in deren Obhut 22 Wasser-Überwege liegen, wurde das Bauwerk etwa Anfang der 50er-Jahre errichtet, teilte Bresk mit. Genaueres weiß allerdings der Wurzener Ernst Petter. Er und Siegfried Sternberg waren seinerzeit "ehrenamtliche Bauleiter" im Auftrag von Frieda Sternberg, die im August 1953 mit sechs anderen Landarbeitern die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) "Ernst Thälmann" in Bennewitz gründete.
"Der Reparaturstützpunkt der LPG befand sich seinerzeit in der Alten Nischwitzer Straße, dem früheren Standort der Papiermühle." Damit die Maschinen nicht durch Wurzen fahren mussten und rasch auf die Felder in Richtung Grubnitz kamen, ließ Sternberg an der Stelle einer älteren Fahrradbrücke die neue errichten­. "Das war 1967 oder 1968", ver­sicherte Petter. Die Betonfundamente rechts und links des Mühlgraben-Ufers zogen Pioniere der Nationalen Volksarmee aus Torgau hoch, als Brückenkörper diente ein ausrangierter Portalkran-­Ausleger der Maschinenfabrik (Mafa). "Ich selbst strich die 80 Zentimeter starken Eichenbohlen mit Holzschutzmittel." Der Begriff Panzerbrücke stamme wohl daher, dass angeblich Russenpanzer darüber gefahren sein sollen. "Ob das stimmt, ist mir nicht bekannt", fügte Petter zum Schluss an.

 

Quelle:LVZ vom 08.01.2015, Seite 25

 

Rostiges Geländer, verfaulte Eichenbohlen: Die Mühlgrabenbrücke an der Kleingartenanlage Rodelbahn müsste eigentlich gesperrt werden. Foto: Kai-Uwe Brandt