Firmenjubiläum: 20 Jahre "Kräuterfee"

Firmenjubiläum: 20 Jahre "Kräuterfee"

Am 1. Juni beging unser Vereinsmitglied Christine Müller, bekannt als "Kräuterfee", den 20. Jahrestag der Gründung ihres Unternehmens.

Die Standortinitiative Wurzen gratuliert ihr ganz herzlich und dankt ihr vor allem für die beständige Mitarbeit in der AG Innenstadt seit der Gründung 2003.

Wir verbinden diesen Glückwunsch mit einem symbolischen Blumenstrauß und veröffentlichen mit ihrem Einverständnis die Rede, die Frau Müller aus Anlass des Jubiläums gehalten hat.
Begrüßungsrede von Frau Christine Müller zum Jubiläum des 20jährigen Firmenbestehens

Liebe Wegbegleiter,

Meine erste Ansprache hielt ich zu Schulzeiten und ich merke, dass ich heute noch genau so aufgeregt bin.
Wie vor 4 Jahren beim Einzug in dieses Haus entschuldige ich mich wieder, dass ich nicht jeden einzelnen mit Namen begrüße - ich hätte Angst, jemanden zu vergessen.

Mein Heimatchor aus Röcknitz ist wieder hier. Seine harmonischen Klänge habe ich noch im Ohr, und auch heute bedanke ich mich herzlich für die Darbietung. Seit 15 Jahren sind wir einen gemeinsamen Weg gegangen! Singen ist für mich Heimatverbundenheit, aber auch Loslassen von Alltagssorgen. Und es ist Nahrung für Geist und Seele. Deshalb habe ich es mir heute nicht nehmen lassen, einfach für Sie/ Euch mitzusingen.

Als ich diese Ansprache vorbereitete, ist mir eins aufgefallen: Die letzten 20 Jahre habe ich mich oft treiben und hetzen lassen. Es waren bewegte Jahre mit Höhen und Tiefen. Und mit vielen Stolpersteinen. Aber diese sorgen ja bekanntlich dafür, dass man beim Laufen nicht einschläft. Dass man auch mal stehen bleibt.

Von dem römischen Dichter Horaz stammt das Motto " Carpe diem " - Genieße den Tag.
Von meinem Vater hörte ich "Je älter du wirst, desto ernster wird das Leben". Beides im Herzen merke ich, wie ich bei allem Ernst doch immer häufiger stehen bleibe. Dass ich "den Tag genieße", mich an kleinen Dingen des Lebens freue.
Dieses kleine Fest will ich mit Ihnen/Euch feiern, weil jeder einzelne in den 20 Jahren oft mit mir gemeinsam "genossen" hat und es weiter tun will.

Vor 20 Jahren habe ich nicht auf mein Bauchgefühl „Angst" gehört. Ich habe mich nach langem "für und wider" in die Selbstständigkeit gestürzt. Warum Angst? Anfang 1988 wähnten wir uns noch im scheinbar festen Fundament des Sozialismus. Zugleich war da die Unzufriedenheit über die Starre. Alles war in "Fünfjahresplänen" festgelegt. Selbstständigkeit war ein besonderes Privileg, das auch gewissen "Freiheiten" einschloss. Mir waren die eingeschränkten Möglichkeiten der Naturheilkunde zu DDR- Zeiten bewusst. Es fiel mir sehr schwer, meinen geliebten Beruf teilweise aufzugeben. Aber vielleicht habe ich mein ängstliches Bauchgefühl auch überwunden durch den Funken Hoffnung, dass es eine Berufung ist und noch etwas viel Besseres folgt und sich die eingeschränkten Möglichkeiten der Naturheilkunde bald lösen werden.
Statt ein Infusionszentrum zu leiten, entschied ich mich für den direkten Kontakt mit den Menschen. Ich übernahm am 1.6.1988 die alteingesessene Drogerie in Röcknitz. Es hat mich überrascht, dass ich die Herzen der Sachsen erobern konnte. Als sozusagen zugezogene Preußin! Meine Familie hat mich dabei von der ersten Minute bis heute tatkräftig unterstützt. Sonst könnte ich jetzt nicht so vor Ihnen stehen. Meine damaligen Mitarbeiterinnen Doris Stets, Elke Schultheiß, Heike Pichl und Petra Polster haben mit mir Feuerwerke von Ideen gezündet. In der spannenden Wendezeit hatten wir neben Erfolg auch viel Freude und Spaß an der Arbeit.
Dadurch konnte ich mich gezielter "austoben". Neben meinem eigentlichen Beruf war ich ja viele Jahre zusätzlich aktiv. So konnte ich mich mit neuen Arzneistoffen vertraut machen, was heute für die Beratung wertvoll ist.

Es gab auch Negatives. Ich lernte den Wandel der Beziehungen in der Marktwirtschaft kennen. Dollaraugen, Missgunst und Mobbing waren mir neu und ließen mich manchmal stranden. Aber ich hatte immer einen von Euch an meiner Seite, der mit mir solche welken Blätter schnell „abpflückte" und mir Mut zusprach. Ein neues Konzept erstellte ich in 4 Tagen und meine liebe Christine taufte dieses „Zur Kräuterfee" (freu mich, dass sie heute da ist)
Doch wohin mit dem Konzept ?

Den wirtschaftlichen Prognosen für Wurzen zum Trotz begann ich am 20.2.2002 mit 27 m² hier in der Jacobsgasse. Genau wie 14 Jahre vorher war ich überwältigt von dem regen Zuspruch und den vertrauensvollen Anfragen der Wurzener Kundschaft. Ich denke noch heute an meinen ersten Vortrag in der Bibliothek, bei dem auf Anhieb 34 Leute kamen und unser Pfarrer, Herr Kobe mir durch seine Anwesenheit Sicherheit gab. Bis heute freue ich mich über die wertvolle Zusammenarbeit mit der Engel Apotheke Naunhof , einigen Arztpraxen und Heilpraktikern hier in Wurzen. Sylvio Mahla kann heute leider nicht da sein.

Mein kleiner Laden platzte schnell aus den Nähten. Nach 9 Monaten "Doppelstress" mit 2 Geschäften wagte ich es, mich 2004 hier einzumieten. Mit großen Zweifeln, da mir der Laden für Wurzener Verhältnisse zu groß erschien. Doch die Entscheidung war richtig. Heute kann ich meinen Satz von damals wiederholen: Ich möchte hier gern alt werden. Wenn es geht, in Gesundheit und mit Ihrer Hilfe. Sicherheit gibt mir das gute Verhältnis mit meinem Vermieter, Dr. Scheibe aus Berlin. Er hat Mut und Kraft aufgebracht, dieses Stück Altstadt von Wurzen vor dem Verfall zu retten. Die nette und hilfsbereite Hausgemeinschaft der Jacobsgasse 12 ist wohltuend für unsere Arbeit.
In den größeren Räumen konnte ich schnell meinen Traum nach gezielter Beratung und Durchführung von Kursen verwirklichen. Gemeinsam mit unserer Diätassistentin Carmen Uhlig gelang uns sogar die Kooperation mit allen Krankenkassen. Es ist eine wohltuende Bestätigung für uns beide, dass die Kurse so gut besucht sind.

Sicherheit gab und gibt mir jeden Tag der unermüdliche Einsatz meiner Mitarbeiterinnen Elke Weise (damals in der Wenceslaigasse) Carmen Uhlig, Petra Polster, Evelyn Moosdorf und Anita Hayd.

So viele?
Ja, seit Mai 2007 versuchen wir auch in meiner Heimatstadt Torgau das Reformhaus sozusagen "zurückzuholen".
Ich freue mich, dass 2 Vertreter des dortigen Altstadtvereins heute gekommen sind. Wie schwierig der Aufbau einer Filiale dort sein würde, habe ich nicht geahnt. Aber wir werden das Vertrauen an unsere dortige Kundschaft und das Gute im Menschen nicht verlieren und gemeinsam mit Ihnen weiter in Frieden den "Tag pflücken und genießen" .

Ich glaube nicht, dass sich die Wurzener nicht mit ihrer Stadt identifizieren. Dass sie kein Interesse an ihrer Entwicklung haben. Sie freuen sich z.B. über unsere Außendeko und ich danke der Stadt Wurzen für die Genehmigung, den Holzstamm bei Bedarf in die Erde zu senken. Warum? Randalierer rollen ihn durch die Gasse. Deshalb gibt mir die Arbeit des D5 gegen Gewalt und Neonazis Sicherheit. Mit seinen Angeboten für die Jugend und der regen Beteiligung Wurzener Bürger beweisen Sie, dass die Stadt Wurzen lebt. Ich freue mich, Sie heute unter uns zu wissen und meine, dass ihre Auszeichnungen mehr bekannt gemacht werden müssten.

Ich trau mich heute, über unsere Ehrungen zu sprechen, da sie das Werk unserer Kunden sind und wir oft nach den Ergebnissen gefragt werden.

Meine Mutter schenkte mir ein Buch Mutter Teresa, der einfache Weg „, das ist unser Handwerkzeug. Wir besinnen uns auf das, was wir gelernt und erworben haben und auf das, was Sie von uns erwarten.
Täglich erlebe ich dabei, dass auch die kleinen Dinge bewusst wahrgenommen werden und dass man uns mit Offenheit und Dankbarkeit begegnet. Seit 2005 erhielten wir auf der Bio Fachmesse in Nürnberg jährlich Auszeichnungen. Wir dürfen uns zu den besten Bio- Fachgeschäften Deutschlands zählen. Dort haben uns unsere Kunden hingewählt. Als Dank gibt es seit längerem die Ginkgo-Treuerabattkarte und ab morgen eine Woche mit Überraschungen und besonderen Angeboten.

So weit, so gut. Aber was erwartet uns morgen früh? Wieder gähnende Leere in der Jacobsgasse durch immer mehr Leerstand? Mir ist klar, dass ich diesen Gaul nicht allein ziehen kann. Deshalb bin ich froh über die Zusammenarbeit mit den Geschäftsleuten, die auch noch nicht aufgegeben haben. Oft standen wir allein. Mit Jörg Röglin haben wir einen guten Koordinator mit Sachverstand als Leiter der AG Innenstadt bekommen, der uns bislang
im Rahmen seiner Möglichkeiten sicher und zuverlässig begleitet und führt.

Dies hier ist mein alter Gewerbeschein von 1988. Damals gab es Zwänge, die ich mir nicht zurückwünsche. Was ich mir wünsche, ist eine zielgerichtete Koordination zwischen dem Gewerbeamt einer Stadt und den Belangen der Händlerschaft.

Es verbittert mich, wenn den Kunden hier in der Innenstadt der Einkauf durch unangemessene Parkstrafen erschwert wird. In anderen Städten sind z.B. alle Parkplätze der Discounter frei.
Ich denke, eine Stadt ohne Handel lebt nicht. Und hier in Wurzen ist zu spüren, wie die Qualität des Handels von Jahr zu Jahr abnimmt.
Doch es gibt noch Erlebnisse, die zeigen, dass die Stadt lebt. Da wollen Kunden zur Genesung einfach mal eine Prise "Kräuterduft" schnuppern. Oder mir wird eine gestohlene Blumenschale zurückgebracht, nachdem ich auf einem Schild meine Traurigkeit über den Verlust kundtat.
Ich denke an viele gemeinsame Diskussionen mit Ihnen, z.B. über die unverständlichen Baumfällaktionen . Mit meinem Anliegen hier in der Jacobsgasse versuche ich ja, sowohl die Schönheit der Natur zu genießen und zu vermitteln, als auch deren Botschaft gemeinsam mit Ihnen zu beantworten. Darum beschäftigen mich derartige Probleme besonders. Damit wir weiter manchen Tag und manches Jahr "pflücken und genießen" können, habe ich mir ein besonderes kleines Geschenk für Sie ausgedacht.
Dieses Bäumchen verkörpert Stärke und Kraft. In unserem Logo begleitet es uns schützend jeden Tag. Finden Sie selbst eine Stelle in Ihrem Umfeld! Freuen Sie sich, einen Beitrag zur Beantwortung der Botschaft der Natur an uns geleistet zu haben.

Ich wünsche uns allen nun ein paar schöne Stunden. Ein warmes Süppchen zauberten unsere Freunde von der Feldküche Stammwitz. Wir haben unsere Naturkostrezepte ausprobiert und hoffen, dass für jeden eine schmackhafte Kleinigkeit
dabei ist.
Ich danke unseren Hauptpartnern, dem Biogarten, Naturkost Erfurt sowie dem Salus Haus nicht nur für die heutigen Zugaben, sondern besonders für die angenehme Partnerschaft über viele Jahre. Ich danke nochmals für Ihr /Euer Kommen und wünsche uns allen ein paar schöne Stunden sowie noch eine lange, gesunde und glückliche gemeinsame Zeit.

Wurzen, den 1. Juni 2008



erstellt: 03. 06. 2008