Schlacht auf dem Beschaffungsmarkt

Schlacht auf dem Beschaffungsmarkt

Wurzener Firma Hoffmann Fördertechnik GmbH errichtet Montagehalle /
Lagerkapazitäten ausgebaut

Wurzen. Dem aufmerksamen Wurzener dürfte es nicht entgangen sein. Auf dem Gelände der Firma Hoffmann Fördertechnik GmbH Wurzen in der Dresdener Straße ist eine nicht mehr zu übersehende, komplett neue Montage- und Produktionshalle entstanden. Lange ließ sich Matthias Hühn nicht in die Karten gucken, jetzt lüftet der Geschäftsführer das "Geheimnis". Zudem äußert er sich zu Konkurrenz, Aufschwung und Marktlage seines Unternehmens.

"Es hat eine Schlacht auf dem Beschaffungsmarkt eingesetzt", sagt Matthias Hühn. Rohstoffe und Materialien, aber auch zu verarbeitende halbfertige Komponenten, die die Maschinenbau- und Fördertechnikbranche brauche, seien seit Monaten knapp wie der Regen in der Wüste. Vor diesem Hintergrund müsse auch Hoffmann Fördertechnik reagieren. Die so genannte Just-in-time-Produktion - also das sofortige Verarbeiten von halbfertigen Produkten oder Rohmaterial, ohne große Lagerbestände aufzubauen, funktioniere nicht mehr, erklärt der diplomierte Kfz-Technik-Ingenieur. Um den Engpass am "Beschaffungsmarkt" zu illustrieren, nennt der Firmenchef Beispiele: "Die sächsische Elektroindustrie ist bei uns mit der Lieferung von 6500 Motoren im Rückstand. Nicht viel besser sieht es bei Stahl aus." Auch die Gießereien seien überlastet.

Im Klartext: Auch das Wurzener Unternehmen braucht mehr Lagerkapazitäten. Durchaus mit Weitsicht hat Hühn bereits 2006 das BayWa-Grundstück in der Dresdener Straße 66 übernommen. "Gleichzeitig konnten wir unser Areal in der Dresdener 72 zum 1. Januar 2007 verkaufen - dort war unser Lager für Rohmaterial wie beispielsweise Gussteile eingerichtet. Dieses Grundstück lag einfach zu weit weg von unserem Kernstandort Dresdener Straße 68/67. Wir wollten uns auf einen Fleck konzentrieren", erklärt Hühn die Flächenrotation. Bis zum Ende vergangenen Jahres dauerte die Sanierung der alten BayWa-Halle. Inzwischen ist das Objekt mit Regalen bestückt. Es dient als Lagerhalle und Bürostandort.

"Wir haben eine auskömmliche Auftragssituation", antwortet Matthias Hühn - dabei etwas spitzbübisch wirkend - auf die Frage, ob der gegenwärtig viel zitierte "Aufschwung" auch in seinem Unternehmen angekommen sei. Von "Aufschwung" will der 52-Jährige nicht reden. Der Unternehmer bestätigt aber, dass es in den vergangenen Jahren bereits ein gewisses Wachstum gegeben habe, das den Platz in der Produktion habe eng werden lassen. Hühn: "Wir mussten die Produktion entflechten, mehr Platz schaffen."

Deshalb hat sich das Unternehmen entschlossen, eine zweite Halle völlig neu zu errichten. Der neue, rund sechs Meter hohe und 30 Meter breite Bau, der eine Fläche von rund 2400 Quadratmetern umfasst, sei in Rekordzeit entstanden. Im Mai liefen noch die vorbereitenden Arbeiten, jetzt trocknet bereits der Estrich, am 1. September soll die Halle in Betrieb gehen. "Wir hatten Zeitdruck", bestätigt Bauleiter Peter Adam. Neben der Zeitkomponente sei auch die Größe des Objektes eine Herausforderung gewesen. Der Technische Betriebsleiter der Firma, René Elbe, bestätigt: "Wir liegen in den letzten Zügen, auch dank der Unterstützung der Genehmigungsbehörden." Im Bürokomplex gehen gerade die Installationsarbeiten über die Bühne. Künftig werden unter dem riesigen Hallendach etwa 25 Arbeitskräfte Montage- und Zerspanungsarbeiten ausführen.

Darüber, was Hallen-Neubau und Sanierung der BayWa-Halle gekostet haben, schweigt der Unternehmer. Eine sechsstellige Summe sei verbaut worden. Auch zu den übrigen Unternehmensdaten bleibt Matthias Hühn diskret. Bei Hoffmann Fördertechnik sind rund 130 Mitarbeiter in Produktion und Montage beschäftigt.
Drago Bock

Leipziger Volkszeitung / Muldentaler Kreiszeitung vom 22.08.2007



erstellt: 22. 08. 2007