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Blick vom Kirchturm
Aktuelles
Jede Menge staunende Blicke zur Decke
Tag der offenen Tür im Klinkhardt-Bau
Wurzen. Großer Bahnhof am Sonnabendvormittag in der Dresdener Straße 34a: Erik Bodendieck, neuer Hausherr der Klinkhardt-Villa, hatte nach einer grundhaften Sanierung des städtebaulichen Kleinodes zu einem Tag der offenen Tür eingeladen.
Dass die Blicke der Gäste im einstigen Speisezimmer der Klinkhardts kaum auf die dort aufgestellten Sektgläser, sondern fast ausschließlich gen Zimmerdecke gerichtet waren, lag an dem lange verborgenen Schatz begründet, der im Zuge der Sanierungs- und Umbauarbeiten der Villa zu einem Gesundheitszentrum freigelegt worden war. Denn die Kassettendecke, die Jahrzehnte lang unter einer Zwischendecke ein kümmerliches Dasein fristete und schutzlos dem Hausschwamm ausgesetzt war, sie wurde mit allgemeinem Staunen bedacht. "Man kann gar nicht genug Worte des Dankes dafür finden, dass auf diesem Wege Kostbarkeiten wieder zum Vorschein gekommen sind, die sonst unwiederbringlich verloren gegangen wären", so Hans-Peter Putzger vom Altstadtverein. "Hut ab vor Erik Bodendieck und anderen Menschen, die sich eine solche Aufgabe aufbürden."
Und jede Menge Bankverpflichtungen. 1,4 Millionen Euro kostete die im April begonnene Sanierung und damit aufgrund zusätzlicher Brandschutzauflagen gut 200000 Euro mehr als kalkuliert. Doch es dürfte kaum einen Besucher des Tages der offenen Tür gegeben haben, der das Ergebnis nicht jeden Euro für Wert befunden hat. Allen voran die ehemalige Besitzerfamilie, die am Sonnabend mit dem 95-jährigen Richard Klinkhardt, der bis Anfang 2009 das Haus noch selbst bewohnte, und Tochter Regine vertreten war. Diese ließ es sich nicht nehmen, im Namen ihrer Familie dem Käufer für dessen Leistung ausdrücklich zu danken. "Wir sind überglücklich, dass sich Erik Bodendieck dieser Aufgabe angenommen und damit unserer Familie eine große Last abgenommen hat", so Regine Klinkhardt, derzufolge die gesamte Familie mit dem Ergebnis hoch zufrieden sei. Hoch zufrieden mit diesem zeigte sich auch Ulrich Heß von der Standortinitiative. "Unsere Befürchtungen um das Gebäude haben wir mit denen der Familie Klinkhardt geteilt, weshalb unsere Wertschätzung für die Leistung und den Mut von Herrn Bodendieck um so größer ist."
Ein Gebäude, in das künftig auch Margarete Nilsson ihre Füße häufiger setzen wird. Das nächste Mal schon in dieser Woche, wenn die Bodendieck-Patientin einen Termin bei dem Allgemeinmediziner wahrnimmt, der die Räumlichkeiten des Klinkhardt-Baus mit Logopäden, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und Podologen teilt. "Ich kenne die Räume noch von früher, aber ich habe sie nur an ihrer Höhe wiedererkannt", so die 88-Jährige.
Roger Dietze
Leipziger Volkszeitung vom 19.12.2011
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erstellt: 21. 12. 2011
