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Blick vom Kirchturm
Aktuelles
Stadtrat singt Hussocks Loblied
Scheidende Marketingkoordinatorin mit Schmeicheleien überhäuft / Nachfolger nicht in Sicht
Wurzen. Das Bekenntnis zur Fortführung des Stadtmarketings kostet Wurzens Stadträte offenbar weniger Überwindung als erwartet. Beinahe alle Fraktionen stimmten zur Stadtratssitzung ein Loblied auf die scheidende Stadtmarketingkoordinatorin Katrin Hussock an. Konkrete Beschlüsse gab es aber nicht.
Zwei Aufgaben habe Hussock in den vergangenen Jahren gehabt, zitierte Oberbürgermeister Jörg Röglin (parteilos) aus alten Dokumenten: Die Innenstadt beleben und die Liebe der Wurzener zu ihrer Stadt wieder zu entfachen. Und das sei ihr auch gelungen, urteilte das Stadtoberhaupt. Zum Beweis führte er nicht nur diverse gelungene Veranstaltungen rund um die Innenstadt oder die Ausrichtung des diesjährigen Landeserntedankfestes an.
Röglin zauberte auch eine Statistik hervor, die belegt, dass sich der Bevölkerungsschwund in Wurzen seit 2007 (minus 1,6 Prozent) auf heuer ein halbes Prozent verlangsamt habe. Wäre die Einwohnerzahl weiter so rapide gefallen, so Röglins These, hätte die Stadt auch weniger Schlüsselzuweisungen erhalten. Deshalb habe sich der Einsatz Hussocks letztlich sogar in klingender Münze bezahlt gemacht.
Bei aller Wertschätzung für Hussocks Arbeit - eine solch abenteuerliche Herleitung hätte unter gewöhnlichen Umständen sicher wütende Proteste geerntet. Diesmal nicht. Nach seinen Ausführungen schloss Röglin den Tagesordnungspunkt ohne Gelegenheit zur Diskussion zu geben. Allerdings wies er noch darauf hin, dass die Arbeit Hussocks durch die Honorarvereinbarung deutlich preiswerter gekommen sei, als eine vergleichbare Stelle in der Verwaltung jemals sein könnte. Denn für eine feste Stelle sei wegen des aktuellen Personalschlüssels auch weiter kein Geld da. Röglin ließ erwartungsgemäß keine Zweifel daran, dass das Stadtmarketing weitergehen müsse. Seine Verwaltung überarbeite derzeit das Konzept, Ergebnisse gebe es zum nächsten Kulturausschuss.
Wurzens Stadträte suchten und fanden indes Gelegenheit, sich doch noch zum Stadtmarketing zu äußern. Sie verlagerten die Debatte einfach auf den nächsten Programmpunkt. Der Tenor war einhellig und dürfte der zur Sitzung anwesenden Hussock in den Ohren geklungen haben: Man bescheinigte ihr gute Arbeit und sprach sich für die Fortsetzung des Stadtmarketings aus. "Ich habe zu verschiedenen Anlässen in den vergangenen Jahren viel Bewegung in der Stadt verspürt", pries SPD-Fraktionschef Heinz Richerdt die Bemühungen Hussocks und spielte damit auch auf ein engeres Miteinander unter der Wurzener Händlerschaft an.
Auch der Vorsitzende der Wurzener Linken, Klaus Meißner, lobte Hussock in den höchsten Tönen. Auf seine Nachfrage musste Röglin einräumen, dass eine feierliche Verabschiedung Hussocks bislang nicht geplant sei. Bei so viel Lob wollte auch Kathrin Gehres-Kobe (CDU) nicht abseits stehen und versicherte, das Stadtmarketing stehe "nicht in Frage" und an Hussocks Arbeit gebe es nichts auszusetzen. Dennoch ist zum Jahresende Schluss. Beschlüsse über Nachfolger sind nicht vor Februar zu erwarten. Markus Tiedke
Leipziger Volkszeitung vom 17.12.2011
erstellt: 21. 12. 2011
