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St. Wenceslai
Aktuelles
Im Interview: Katrin Hussock
"Man braucht Planungssicherheit"
Katrin Hussock über die Zukunft des Stadtmarketings und Wurzens Chancen
Wurzen. Im Kulturausschuss wird heute nicht nur über den Eigenbetrieb Kultur, sondern auch über die Zukunft des Stadtmarketings beraten. Koordinatorin Katrin Hussock hat nur noch einen Vertrag bis Ende des Jahres. Im Interview spricht Sie über Aufgaben des Stadtmarketings und an welche Bedingungen diese geknüpft sind.
Frau Hussock, sind Sie am 1. Januar 2012 noch Stadtmarketingkoordinatorin?
Diese Frage kann ich Ihnen zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht beantworten.
Wären Sie es denn gerne?
Grundlegend Ja. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn das Stadtmarketing unter optimaleren Rahmenbedingungen laufen könnte.
Wie müssten diese aussehen?
Es geht hier nicht darum, was ich persönlich gern hätte. Das Thema Stadtmarketing Wurzen muss losgelöst von meiner Person betrachtet werden. Vielmehr sollte es ein generelles Bekenntnis für ein langfristiges Stadtmarketing in Wurzen geben. Wenn es das gibt, hätte die Person die es leitet, langfristig eine Sicherheit, um länger als ein oder zwei Jahre planen zu können. Man braucht eine Planungssicherheit für diese Stelle.
Das heißt, Sie möchten eine längere Frist für Ihre Arbeit bekommen?
Für das Stadtmarketing ist es immer sinnvoller, wenn man unbefristet agieren kann.
Das heißt auch, dass Sie persönlich als Stadtmarketingkoordinatorin gern unbefristet bei der Stadt beschäftigt wären?
Wenn man sagt, man möchte langfristig Stadtmarketing betreiben, dann muss die Person natürlich auch langfristig eine Sicherheit haben, um länger als ein oder zwei Jahre planen zu können. Man braucht eine Planungssicherheit für diese Stelle.
Wo bemerken Sie diese fehlende Planungssicherheit?
Das Stadtmarketing wird bisher sehr operativ betrieben. Die strategische Ebene, auf die es gehoben werden müsste, die fehlt. Es fehlt die Anbindung an den Bereich Kultur. Es läuft zwar in Zusammenarbeit mit dem Kulturbetrieb, aber es ist keine echte Integration.
Sie heißen also den Entwurf gut, das Stadtmarketing in den geplanten Eigenbetrieb Kultur zu integrieren?
Kultur, Tourismus, Citymanagement sind Säulen von Stadtmarketing. Es ist nicht nur sinnvoll, das alles zu integrieren. Es ist auch logisch, falls man hier professionell auf lange Sicht Stadtmarketing betreiben möchte. Man muss alle Bereiche in eine Richtung entwickeln.
Bisher war Ihre Arbeit aber doch eher auf den Bereich der Händlerschaft, auf die Entwicklung der Innenstadt beschränkt.
Das ist gerade in diesem Jahr nur ein kleiner Teil gewesen. Ich habe viele Veranstaltungen im Bereich Kultur organisiert. Es gab zudem über die Jahre immer Tourismusprojekte. Es steht nur nicht überall Stadtmarketing drauf. Die Verzahnung zwischen dem Kulturbetrieb und meiner Stelle ist jetzt schon sehr, sehr eng.
Gesetzt den Fall, die geplante Verzahnung kommt nicht zustande, hat es sich dann mit dem Stadtmarketing erledigt?
Falls es nicht zu einer Verzahnung kommen sollte, würde ich zumindest gerne darüber reden, wie man sich eine weitere Zusammenarbeit vorstellt. Da gibt es für mich einige Fragezeichen.
Wo sehen Sie denn zukünftige Entwicklungschancen des Stadtmarketings?
Das Citymanagement ist immer noch einer der wichtigsten Punkte. Darüber hinaus kann Wurzen zum Beispiel touristisch noch viel mehr leisten. Es hängt aber alles miteinander zusammen. Ich kann nicht alles völlig losgelöst voneinander betrachten. Wenn wir schon die Bereiche Kultur, Citymanagement, Tourismus haben, dann muss ich darauf auch eine Strategie aufbauen. Dann muss ich sagen, wo Wurzen in zehn Jahren stehen soll. Nur so kann das Stadtmarketing entsprechend agieren.
Das Quartiersmanagement, das Oberbürgermeister Röglin in diesem Zusammenhang gern nennt, haben Sie jetzt nicht erwähnt. Spielt dies für Sie keine Rolle?
Das ist für mich Teil des Citymanagements. Man muss dabei überlegen, welche Quartiere wohin entwickelt werden sollen.
Wäre das aber nicht klassischerweise Aufgabe des Fachbereichs Stadtplanung?
Ja, aber Stadtmarketing ist ganz eng mit der Stadtentwicklung verknüpft. Wenn ich über Stadtmarketing rede, rede ich darüber, wohin sich eine Stadt entwickeln soll, damit Bürger und Touristen sie als attraktiv empfinden. Damit bin ich im Stadtentwicklungsbereich - auch bei Infrastruk- turmaßnahmen. Die müssten sich idealerweise auch an Empfehlungen des Stadtmarketings ausrichten.
Das Stadtmarketing ist für Sie dann so etwas wie eine Schnittstelle der kompletten Verwaltung, wo alles zusammenläuft?
Ich sehe das Stadtmarketing eher als Schnittstelle für ganz verschiedene Anspruchsgruppen der Stadt. Das ist wie ein Sprachrohr in die eine Richtung, aber auch in die andere. Das Stadtmarketing ist wie ein großer Netzwerker.
Interview: Kai Kollenberg
Leipziger Volkszeitung vom 23.11.2011
erstellt: 23. 11. 2011
