Originelle Shows an allen Ecken

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Originelle Shows an allen Ecken

Standortinitiative lädt zum sechsten Nachtshopping ein - Motto: Es war einmal in Wurzen"

Wurzen. "Es war einmal in Wurzen." So titelte die Standortinitiative der Domstadt (SiW) in Prospekten und meint das von ihr initiierte sechste Nachtshopping.
So viel sei vorweggenommen: Die Bilanz ist kein Märchen, vielmehr eine Erfolgsstory. In den Gassen, Straßen und auf den Plätzen sowie in den meisten Geschäften sorgten die Protagonisten, sprich die Kunden, für Leben. Zwar hätten sich etwa 75 Händler an der märchenhaften Kulisse beteiligt, aber eben nicht alle, bedauerte Ulrich Heß von der SiW. "Dafür kann man mal sehen, wie viele Einwohner Wurzen hat", ergänzte er beim Blick nur in die Jacobsgasse.
Die wurde zwischen Jacobsplatz und Markt zum Nadelöhr, sodass dort der Massen wegen zeitweise gar nichts mehr ging. Modenschau hier, kostenloser Glühwein dort und vor der Nummer 12 gar ein Theaterstück. "Wir erzählen, dass es hier mal eine Bäckerei gab. Da diese Geschichte von Nachfahren der damaligen Bäckerfamilie überliefert ist, ist das kein Märchen, sondern beruht auf wahren Begebenheiten", versicherte Wolfgang Gloger von den aufführenden "TheaterMacher(n)".
Doch sie waren nicht die Einzigen mit einer originellen Show. Am Jacobsplatz etwa saßen Daniel Zielke und Sohnemann Philip sogar im Schaufenster. Verkleidet als Bäckerburschen, hatten sie Plätzchenteig in der Mache. "Es war einmal eine Backstube, dieser Laden für Geschenkideen", erklärten diese zwei Schauspieler. Auf dem Markt heimste der erst zehnjährige Lukas Lieder Anerkennung ein, er rahmte mit seinem Saxofon musikalisch das Treiben rund um die historische Fasstaverne. Im Badergraben baumelte auf einer Leine Unterwäsche von anno dunnemals. Ausgerechnet vorm Fahrradhaus Möckel, weshalb das Radsportuntersachen seien - freilich atmungsaktiv. Wie auch immer, es waren Hingucker, unter denen Tina auf ihrer Gitarre musizierte, wenn sie nicht zur Abwechslung mal ein altes Grammofon in Schwung brachte.
Mörderisch war es in der Germania-Apotheke am Wettinerplatz. Mit giftgrünem Tee wurden die Leute von Daniela Kaufhold empfangen. Sie las aus ihren Lieblingsbüchern von Agatha Christie - natürlich ein Giftmordkrimi. Umso entspannter ging es im Modetreff "Heidi" zu, Chefin Heidi Jentzsch persönlich moderierte die Modenschau mit teils kessen und frivolen Sprüchen auf den Lippen. "Das kommt an und verführt zum Stehenbleiben", sagte Johanna Rau, die einen langen Hals machen musste, um zu sehen, was es im voll besetzten Ladenhof zu sehen gab.
Das waren nur einige der Zuspruch findenden Aktionen, an denen sich auch Gewerbetreibende beteiligten, die nicht wirklich mit Umsätzen rechneten. Zum Beispiel das Werbestudio in der Wenceslaigasse, dort zeigte Thomas Genedl als "Urwurzener" historische Bilder seiner Heimatstadt und fand großen Anklang. Und gleich um die Ecke lockte Janine Partsch im Hair Factory mit Sekt, Häppchen und Obst die Besucher an. Obwohl sich keiner die Haare hat schneiden lassen, war der Laden brechend voll. "Weil wir mit unserer Präsenz die Aktion gerne unterstützen wollen", sagte die Chefin.
Frank Schmidt

Leipziger Volkszeitung vom 7.11.2011



erstellt: 07. 11. 2011