SUCHE

St. Wenceslai
Aktuelles
Wurzener Spätschicht
Musik trifft bildende Kunst im WRC
Wurzen. Zum dritten Mal rief das Bürgernetzwerk Standortinitiative Wurzen die Öffentlichkeit zur Spätschicht. Nach 2003 in der Wasserglasfabrik und 2007 in der Filzfabrik krempelten die Initiatoren dieses Mal sinnbildlich ihre Ärmel in der Firma World Resources Company (WRC) hoch.
WRC ist ein seit 1998 in Wurzen ansässiges Unternehmen mit amerikanischen Wurzeln. Der Produktionsbetrieb verwertet Rückstände aus der Oberflächen beschichtenden Industrie und stellt daraus Rohstoffe für Bunt- und Edelmetalle her, erklärte Geschäftsführer Eberhard Lüderitz. Für die Spätschicht machte sein Team eine ganze Werkhalle zum Kulturpalast. Und der füllte sich bereits am Freitagabend mit geladenen Gästen, die vom Leipziger Symphonieorchester unter anderem mit amerikanischen Filmmusiken erfreut wurden. Sozusagen als Stargast trat Mark Krause auf. Ein Maler, der in Amerika lebt und arbeitet. "Aber hier in Wurzen geboren ist, was wir über das Internet recherchiert haben", freute sich Ulrich Heß von der Standortinitiative über die Verpflichtung des Künstlers. Und der schuf live zur Orchestermusik ein Gemälde im Format 1,50 mal 2,50 Meter, das er "Aufbruch" nannte. Ein Bild, das, wie Krause sagte, "mit einer hohen Intensität", entstand. "Ich konnte es spüren, Musiker und Publikum haben es gleichermaßen genossen, dabei sein zu dürfen."
Ein ähnliches Empfinden hatten dann auch die Besucher zum Tag der offenen Tür am nächsten Morgen - sozusagen in der Frühschicht. Mit Schichtbeginn traten neben dem Leipziger Symphonieorchester der Verein "TheaterMacher(n)" auf, um mit einem authentisch aufgeführten Schauspiel auf das Schicksal des einstigen Wurzener Bürgermeisters, Julius Theodor Schmidt, aufmerksam zu machen. Er wanderte drei Jahre nach seiner Verhaftung beim Dresdener Maiaufstand von 1849 in die USA aus. Nicht zufällig gelang es damit dem Veranstalter einen Bogen zu spannen von der kommunalen Ebene Wurzens bis hin zum global agierenden Wirtschaftsstandort der Ringelnatzstadt. Dafür nahmen die TheaterMacher(n)-Darsteller eine "große Herausforderung" an, sagten Wolfgang Gloger und Andreas Bunk. Beide schrieben an dem Drehbuch für das Bühnenstück und nutzen dafür verschiedene historische Fakten, die auf 20 A4-Seiten zusammengefasst waren. "Es war uns wichtig, das Wesentliche aus dem aufregenden Leben von Bürgermeister Schmidt darzustellen, damit seine Rolle für den Zuschauer nachvollziehbar wird", so Gloger.
Frank Schmidt
Hommage: Steffen Hofmann als Bürgermeister Julius Theodor Schmidt
Foto: Frank Schmidt
Leipziger Volkszeitung vom 12.09.2011

erstellt: 15. 09. 2011
