"Managertreffen" in Ostelbien

"Managertreffen" in Ostelbien

Köllitsch (TZ). Hand aufs Herz: Wer kann mit dem Begriff „Herdenmanager" etwas anfangen? Es sind wohl nur wenige, die diese Bezeichnung aus dem Bereich der Landwirtschaft richtig einordnen können, obwohl jenen Fachkräften eine immer größer werdende Bedeutung beigemessen wird.

Montagmorgen, 8 Uhr, Lehr- und Versuchsgut Köllitsch: Staatsminister Frank Kupfer begrüßt 14 ausgewählte Lehrgangsteilnehmer aus fünf Bundesländern, die sich in puncto Arbeitsorganisation, Mitarbeiterführung, Fruchtbarkeits- oder beispielsweise auch Melkmanagement weiterbilden lassen wollen. Unter ihnen ist auch Kristin Weickert vom Gut Trossin, die ihr Wissen aus dem Studium vertiefen will. „Ich möchte unter anderem lernen, wie unsere Mannschaft noch besser organisiert und motiviert werden kann", sagt die junge Dame bei ihrer kurzen Vorstellung. Vor ihr liegt eine durch und durch praxisorientierte Woche, die am Freitag mit einer schriftlichen Prüfung beendet werden wird. Neben Köllitsch sind zudem das Zentrum für Tierhaltung und Technik Iden (Sachsen-Anhalt) und das Landwirtschaftszentrum Haus Düsse (Nordrhein-Westfalen) Stationen der Reise.

Die Seminarreihe wurde im Jahr 2006 vom DLG-Fachzentrum Land- und Ernährungswirtschaft initiiert. Treibende Kraft war damals René Döbelt aus Wurzen, der dem Gremium mittlerweile vorsitzt. Döbelt zeigte sich froh, dass seine Anregung vor elf Jahren nicht einfach im Sande verlief, auch wenn es immerhin sechs Jahre bis zur Umsetzung gedauert hat. „Der Wunsch war es, ein zertifiziertes Spezialseminar zur Fortbildung von Führungskräften zum Herdenmanager anzubieten" erläutert Döbelt.

Der Lehrgang, der am Montag in Köllitsch seinen Anfang nahm, ist bereits der fünfte seiner Art. 63 Teilnehmer haben bereits das begehrte Zertifikat „DLG-Herdenmanager Rind" erhalten. Ziel des DLG-Seminars sei es, Betriebsleiter, Herdenmanager und (leitende) Mitarbeiter von Milchviehbetrieben durch die Vermittlung von Fachwissen und Managementfähigkeiten auf ihre Tätigkeit als Herdenmanager im Betrieb weiterzubilden, erläutert Dr. Steffen Pache vom sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG).

Das LfULG war von Beginn an an der Konzeption, Strukturierung, Organisation und Durchführung des Seminars beteiligt. „Über die Vermittlung aktuellen Fachwissens hinaus werden den Teilnehmern vielfältige Anregungen durch Betriebsbesichtigungen sowie der Austausch mit Kollegen und den Referenten geboten", fügte Pache an. Teilnahmevoraussetzung sei eine mindestens einjährige Berufserfahrung im Bereich der praktischen Milchviehhaltung. Empfehlenswert für die Teilnehmer seien nach Angabe Paches darüber hinaus Kenntnisse der funktionellen Klauenpflege sowie Kenntnisse der Eigenbestandsbesamung. Das gesamte Seminar ist dabei in drei fünftägige, zeitlich voneinander getrennt stattfindende Einheiten untergliedert.  „So haben die Teilnehmer die Möglichkeit, bereits gelernte Inhalte in die Praxis umzusetzen und gegebenenfalls auftretende Fragen oder Probleme während dieser praktischen Zeit in der folgenden Seminareinheit mit den Referenten zu diskutieren", begründete Referent Pache die eingeräumte drei bis sechs Wochen lange  seminarfreie Zeit.

Minister Kupfer betonte in Köllitsch die immer größer werdende Rolle von Herdenmanagern. „Auch die Landwirtschaft hat's mit veränderlichen Märkten zu tun. Daher tragen Herdenmanager eine hohe Verantwortung für den Fortbestand ihres Betriebes, sagte Kupfer vor dem Hintergrund einer auslaufenden Milchquote. DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer wies in diesem Zusammenhang dem Herdenmanagement eine Schlüsselfunktion zu. Dass dies nicht nur bloße Worte sind, bestätigt Jan Tanneberger vom Milchgut Kolochau im Elbe-Elster-Landkreis. Tanneberger gehörte zu den ersten, die das DLG-Zertifikat überreicht bekamen. Der 40-Jährige gelernte Tierwirt ist in dem Unternehmensverbund für 1500 Milchkühe zuständig. Er fungiert als eine Art Bindeglied zwischen Tier und Technik, zwischen Personal und Geschäftsführung. Bei ihm laufen viele Fäden zusammen - mehr, als vor dem DLG-Zertifikat. „Durch die Weiterbildung wurde mir innerhalb unseres Betriebes deutlich mehr Verantwortung übertragen", sagte Tanneberger. Ein Fakt, der ihm zwar vieles abverlange, der für ihn allerdings auch einen deutlich abwechslungsreicheren Berufsalltag darstelle.

Torgauer Zeitung vom 31.8.2011



erstellt: 05. 09. 2011