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St. Wenceslai
Aktuelles
Warnung vor Hülle ohne Inhalt
Die Überarbeitung des Landesentwicklungsplans macht es erneut sichtbar: Die Stadt Wurzen als Mittelzentrum und mit wichtigen Funktionen für den Raum zwischen dem Oberzentrum Leipzig und den Mittelzentren Torgau und Oschatz ist nach dem bevorstehenden weiteren Abzug von Behörden (Amtsgericht) und der Schwächung des Polizeistandortes gefährdet. Ob das Sächsische Innenministerium die Diskussion über die Mittelzentren wie schon 2003 eröffnet oder nicht, die Aushöhlung und letztlich der Verlust des Status sind eine reale Gefahr. Das Innenministerium hatte damals massive Proteste aus den betroffenen Kommunen geerntet. Dabei geht es beim Status eines Mittelzentrums nicht um ein Etikett, sondern damit sind reale Gewinne oder Verluste hinsichtlich der Unterstützung durch das Land verbunden. Die wirtschaftliche Stärke der Stadt allein reicht nicht aus, um den Status Mittelzentrum auszufüllen.Die Standortinitiative Wurzen e.V. hat deshalb schon in ihrem Brief zur Polizeireform 2020 auf diese Gefahr verwiesen. Wir sollten die Anwesenheit vieler sächsischer Politiker zum Sächsischen Landeserntedankfest nutzen, um mit dieser Argumentation auf diese Entwicklung aufmerksam zu machen. Und wir sollten nach dem Fest gemeinsam überlegen, wie Wurzen gestärkt werden kann.
Dr. Ulrich Heß
Fortschreibung des Landesentwicklungsplanes: Wurzen soll laut Ministerium Mittelzentrum bleiben
Wurzen. Manchmal machen Politiker ein Fass auf, ohne es zu wollen. Mit seiner Äußerung in Oschatz, die Stadt bleibe auch bei der Fortschreibung des Landesentwicklungsplanes (LEP) ein Mittelzentrum, löste Innenminister Markus Ulbig (CDU) eine Diskussion aus. Gilt seine Aussage auch für anderen beiden Orte der Region, die bei der Aufstellung des LEP 2003 wackelten, für Wurzen und Eilenburg?
Das Innenministerium antwortete auf eine LVZ-Anfrage mit einer Bitte um Verständnis. Die Fortschreibung des LEP sei ein "laufender und inhaltlich noch offener Prozess", teilte Pressesprecher Lothar Hofner mit. Er ergänzte dann aber, dass sich das Zentrale-Orte-System nach Ansicht des Innenministeriums bewährt habe und daher nicht grundlegend überarbeitet werden solle. Andreas Berkner, Leiter der Planungsstelle im Regionalen Planungsverband (RPV) Westsachsen, wurde etwas deutlicher. Nach seinem Kenntnisstand sei es nicht beabsichtigt, an den Mittelzentren etwas zu ändern. Und das hält Berkner auch für richtig: "Im ländlichen Raum sind die Mittelzentren besonders wichtig." Sie hätten eine "Leuchtturmfunktion" fürs Umland.
In Oschatz hatte Ulbig die Agentur für Arbeit und die geplante Aufwertung des Polizeireviers als wichtige Faktoren für den Status Mittelzentrum geplant. In Wurzen ist dagegen mit der Schließung des Amtsgerichtes und der Herunterstufung der Polizeistation ein anderer Trend erkennbar. Das sei kritisch zu sehen, so Berkner, aber vermutlich nicht zu verhindern. Seit dem Kreissitzverlust 1994 sei Wurzen "gebeutelt durch den Rückzug von Verwaltungseinrichtungen", damit einher gehe faktisch ein Bedeutungsverlust. Umso mehr gelte es gegenzusteuern, damit "Mittelzentrum nicht eine Hülle ohne Inhalt" werde. "Es gibt keine Ausstattungkataloge, was ein Mittelzentrum haben muss", sagt er. Doch einige Dinge, die auch fürs Umland bereit gestellt werden sollten, würden sehr wohl eine große Rolle spielen: Schulen, die hochwertige Bildung sichern; ein Gesundheitswesen mit Krankenhaus; Verkehrsknotenpunkt auch für den Öffentlichen Nahverkehr; kulturelle Einrichtungen, wie zum Beispiel ein Kino;Versorgungseinrichtungen, die über den täglichen Bedarf hinausgehen; und Arbeitsplätze auch für die Region.
Dass manches mehr Wunsch als Wirklichkeit ist, sieht Berkner sehr wohl, benutzt das Wort "schwachbrüstig". Schon 2003 erfüllte Wurzen die Anforderungen an Einwohner- und Arbeitsplatzzahlen nicht. Im Juni 2010 arbeiteten 3108 Auswärtige in Wurzen, doch 3601 Wurzener verließen die Stadt zum Arbeiten - eigentlich soll es in einem Mittelzentrum umgekehrt sein. Umso mehr sei es Aufgabe der Kommune, alles zu tun, um die Rahmenbedingungen zu verbessern. "Als lebendiger Schulstandort oder mit einer Innenstadt zum Wohlfühlen lässt sich etwas machen", so Berkner. Mit Lebensqualität ließen sich Bürger locken.
Nicht nur bei der Genehmigung von Bauvorhaben wie zum Beispiel Altenheimen genießt ein Mittelzentrum Privilegien. Auch Fördermittel fließen umfangreicher. Am Beispiel Hallenbad-Sanierung: Bei der großzügigen Unterstützung durch Landeszuschüsse war die Einstufung als Mittelzentrum ein ganz wichtiges Kriterium. "Es lohnt sich, für den Status zu kämpfen", erklärt Berkner - und sagt dafür die Unterstützung des RPV zu. Heinrich Lillie
Wichtiger Faktor fürs Mittelzentrum: ein hochwertiges schulisches Angebot unter anderem mit einem Gymnasium. Foto: Andreas Röse
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Leipziger Volkszeitung vom 31.08.2011
erstellt: 31. 08. 2011
