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St. Wenceslai
Aktuelles
Ein Ohr auf die Nachrichtenlage
Wurzener Unternehmen Cryotec hat Mitarbeiter im Nahen und Mittleren Osten im Einsatz
Wurzen. Gerade ist David Kirsten von einer Geschäftsreise aus dem Mittleren und Nahen Osten zurückgekehrt. Der 33-Jährige ist seit 1. Januar der neue Geschäftsführer des Anlagenbauers Cryotec aus Wurzen, der in der ganzen Welt spezielle Fertigungsanlagen für die Industrie herstellt. In diesen Tagen hat er ständig ein Ohr für die aktuelle Nachrichtenlage am Golf von Arabien. Zehn bis 20 Prozent seines Umsatzes erzielt das Unternehmen in diesem Teil der Welt. Mitarbeiter der Firma befinden sich aktuell in der Region: etwa im Oman oder in Saudi-Arabien. Deren Sicherheit hat die höchste Priorität. Denn einen Fall wie im Jahr 2006 soll sich für die Firma nicht wiederholen.
Damals waren zwei Cryotec- Ingenieure rund drei Monate im Irak verschleppt. Sie wurden während eines Arbeitseinsatzes entführt. Lange Zeit herrschte Unsicherheit, ob die beiden Männer lebendig zurückkehren würden. Während Mahnwachen in der Leipziger Nikolaikirche hatten Tausende um die Geiseln gebangt.
Cryotec hat aus den Vorfällen seine Schlüsse gezogen. Zwar übernimmt das Unternehmen noch immer Aufträge im Irak. Doch Mitarbeiter sendet es nicht mehr in die Region, die noch immer in einigen Teilen des Landes von Unruhen gezeichnet ist. "Wir trainieren die irakischen Mitarbeiter unseres Kunden in Deutschland, damit sie die Module vor Ort installieren und betreiben können", sagt Kirsten. Auch die Auftraggeber sichern den Einsatz der Cryotec-Mitarbeiter ab. Ansonsten versucht er, seine Angestellten, die in den Nahen und Mittleren Osten auf den Einsatz vorzubereiten, damit sie in keine brenzlige Situation kommen. "Sie lernen bestimmte Verhaltensweisen, damit sie nicht mit der Heimatbevölkerung aneinandergeraten. Dazu gehört etwa, dass sie wissen, dass sie in Saudi-Arabien den Frauen nicht lange in die Augen schauen", sagt Kirsten.
Jeder Einsatz im Ausland wird zudem akribisch vorbereitet. So gehört die Recherche, ob für ein Land oder eine Region eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes vorliegt, zu den grundlegenden Maßnahmen. "Darüber hinaus reden wir mit unseren Kontaktpersonen vor Ort", sagt Kirsten. Sie könnten meist ein viel besseres Bild von den Ereignissen geben als westliche Medienberichte. "Gibt es den kleinsten Anhaltspunkt, dass ein Arbeitseinsatz vor Ort gefährlich werden könnte, schicken wir keine Mitarbeiter dorthin", so der Geschäftsführer.
Kai Kollenberg
Leipziger Volkszeitung vom 26.2.2011
erstellt: 01. 03. 2011
