Schnelles Boot für Olympia-Hoffnung

Schnelles Boot für Olympia-Hoffnung

Wurzener Philipp Wende soll in London angreifen / Muldentaler Firmen übernehmen Sponsoring

Muldental. Philipp Wende gilt als mögliche Olympia-Hoffnung im Rudern. Um seine Zeiten zu optimieren, benötigt er ein neues, schnelleres und teures Boot. Das stellte seinen Heimatverein in Wurzen aber vor Probleme. Nun helfen Sponsoren.
Keiner hatte mit dieser Entwicklung gerechnet. Niemand bei der Wurzener Rudervereinigung Schwarz-Gelb hätte gedacht, dass ihr Mitglied Philipp Wende ein so großes Potenzial haben würde. Der 25-Jährige zeigte und zeigt Leistungen, die aufhorchen lassen. Irgendwann entdeckten ihn Späher vom Leistungsstützpunkt des Ruderverbandes in Dresden. Ihr Entschluss war klar: Wende sollte weiter gefördert werden. Mittlerweile gilt er als Kandidat für den Olympia-Kader, der im nächsten Jahr Edelmetall aus der britischen Hauptstadt London mitbringen soll. Bei den Deutschen Meisterschaften im vergangenen Jahr etwa belegte er den sechsten Platz. Beim Langstreckentest des Deutschen Ruderverbandes Anfang Dezember in Dortmund wurde er sogar Erster im Männer-Einer. Es gibt nur ein Problem: Damit in Zukunft die Übungsbedingungen erstklassig sind, braucht Wende den neuesten Bootstyp, auf den die Weltelite mittlerweile setzt. Denn nur mit ihm sind die Zeiten zu fahren, mit denen er sich für die Hauptwettkämpfe bei einer Europa- oder Weltmeisterschaft qualifizieren kann.
Mit reiner Muskelkraft und Technik sind im Rudersport keine herausragenden Leistungen im Training mehr zu erzielen. Dazu bedarf es eines Bootes, das so leicht und schnittig im Wasser liegt, dass mit ihm die letzten Hundertstelsekunden herausgekitzelt werden können. Aber die Hightech-Vehikel sind teuer. Das musste auch die Rudervereinigung SchwarzGelb erkennen. Rund 8500 Euro sollte das Gefährt kosten, das Wende in seinen Leistungen weiter voranbringen soll - und ihm die Zeiten garantiert, die einen Einsatz bei den Olympischen Spielen für den Bundestrainer rechtfertigen.
"Das ist enorm viel Geld für einen kleinen Verein wie uns", sagt der zweite Vorsitzende Harald Dögnitz. Doch eine andere Lösung, die weniger kompliziert gewesen wäre, kam nicht in Frage. Denn Wende hätte auch - wie seine Trainingskollegen im Leistungszentrum - die Sparkasse Dresden als Sponsor gewinnen können. Nur hätte er sich dafür einem Dresdner Verein anschließen müssen. Doch das wollte die Rudervereinigung in der Muldestadt verhindern. Zum einen hängt Wendes Herz an der Heimat. Zum anderen hofft Schwarz-Gelb darauf, dass mit Wende bei der Eröffnungsfeier in London vielleicht eines ihrer Vereinsmitglieder mit ins Stadion einzieht.
Dögnitz schrieb in den vergangenen Monaten mehrere Unternehmen im Muldental an, um den nötigen Betrag für das benötigte Boot aufzubringen. Vier Firmen halfen: die Sparkasse Muldental und die drei Wurzener Unternehmen PQ Potters Europe, Hoffmann Fördertechnik sowie World Ressources Company.
Wende ist überglücklich, dass er in einem neuen Boot sitzen kann: "Na klar, bin ich erleichtert. Nun kann ich die Wettkämpfe ruhiger angehen." Das Boot bleibt aber Eigentum des Vereins. Denn, falls es sich Wende doch noch einmal anders mit dem Rudern überlegt, hat dann die nächste Hoffnung optimale Startbedingungen. Kai Kollenberg

Leipziger Volkszeitung vom 26.01.2011



erstellt: 31. 01. 2011