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St. Wenceslai
Aktuelles
Land unter in Dehnitz
Wurzen/Dehnitz. Das Hochwasser am Wochenende kam nicht so gewaltig wie zunächst erwartet. Dennoch fuhr manchen Wurzenern zwischenzeitlich ein gewaltiger Schrecken in die Glieder, die Mulde erreichte einen der höchsten Pegel seit der Flut von 2002. Vor allem in Dehnitz hieß in den vergangenen Tagen mal wieder "Land unter".
Stadtwehrleiter Thilo Bergt erlebte schließlich doch nicht das befürchtete schlaflose Wochenende. "Schon am späten Freitagnachmittag gab es teilweise Entwarnung", sagt er im Rückblick. Einige der Vorhersagen, die einen Rekordpegel befürchten ließen, seien nicht eingetroffen. So war es hilfreich, dass der Regen im Laufe des Freitag aufhörte. "Trotzdem haben wir mit rund 5,30 Meter am Samstagmorgen die Hochwasserwarnstufe III erreicht." Bis zur Katastrophenstufe IV fehlten da gerade noch 70 Zentimeter.
Vergleichsweise glimpflich verlief das Hochwasser am Mühlbach. "Unmittelbar, nachdem es zu regnen aufgehört hatte, begann der Pegel in Burkartshain zu sinken", berichtet Bergt. Weniger Erleichterung gab es indes in Dehnitz. Der muldenahe Ortsteil erlebte eine Reihe von Überschwemmungen.
Zum Glück, sagt Bergt, seien die Anwohner dort gut vorbereitet gewesen. In der Tat. Fährmann Sirko Wedekind trafen die Muldefluten nicht unvorbereitet. "Das Wasser stand schon sehr hoch", sagte er gestern der LVZ. Seit Freitag habe er die Lage permanent beobachtet, sich dann aber auf dem Höhepunkt zurückgezogen. "Das wird schließlich richtig gefährlich hier. Da ist die Mulde ein reißender Strom."
Die Schäden im Fährhaus sind überschaubar geblieben. Etwa knöcheltief sei man zwischenzeitlich im Erdgeschoss im Wasser gewatet, mit Pumpen konnte ein höherer Stand vermieden werden. Die höhergelegenen Gasträume nahmen keinen Schaden. Gestern war Aufräumen angesagt. "Schlamm, Dreck und Müll müssen beseitigt werden", so Wedekind, der seit dem frühen Morgen Schneeschieber und Besen schwang. All das hat er bereits einmal durch in diesem Jahr - beim letzten Hochwasser eine Woche zuvor.
Verniedlicht möchte er die jetzige Flut nicht wissen: "Das war der höchste Wasserstand seit der Jahrhundert-Flut von 2002." Genau diese Beobachtung hat auch Brigitte Mann gemacht, die in Dehnitz ein Wochenendgrundstück nahe der Mulde besitzt. "Bei uns stand das Wasser schon ganz weit auf dem Grundstück. Im Keller drückte das Grundwasser etwa 40 Zentimeter hoch rein. Das gab es schon lange nicht mehr." Beängstigend fand sie das rasante Ansteigen des Flusses. "Das ging wirklich ganz schnell. Auf einmal stand der Spielplatz total unter Wasser."
Trotz dieser Schäden zeigt sich Bergt mit den seit 2002 getroffenen Hochwasserschutzmaßnahmen zufrieden. "Die Maßnahmen greifen offenbar." So gab es keinen Stau von Treibgut an der B6-Brücke. Allerdings sei hundertprozentige Sicherheit nicht zu erreichen. "Die Natur ist nicht beherrschbar", so Bergt. Markus Tiedke
Leipziger Volkszeitung vom 18.01.2011
erstellt: 19. 01. 2011
