Am Ende bleibt nur die Geschäftsaufgabe

Am Ende bleibt nur die Geschäftsaufgabe

Es ist immer wieder besonders bedauerlich, wenn ein Einzelhandelsgeschäft oder Unternehmen nach langer Existenz aus geschäftlichen Gründen seine Türen schließen muss. Und es ist besonders bedauerlich, wenn es - wie in diesem Fall - ein Unternehmen trifft, dessen Inhaber Petr Thomas in unserem Verein bisher eine ganz wichtige Rolle gespielt hat, um die Innenstadt Wurzen für die Bewohner und Gäste attraktiver zu machen und damit auch für die Händler ertragreicher.
Als erstes einen herzlichen Dank für diese oft mühevolle Arbeit, die in den letzten beiden Jahren zu wichtigen Ergebnissen geführt hat wie den attraktiven Wurzener Weihnachtsmarkt, das Nachtshopping und das in diesem Jahr zum zweiten Mal geplante „Herbstgeflüster". Und ein festes Daumendrücken für die eigene berufliche Entwicklung in den nächsten Monaten und Jahren.
Peter Thomas wird seine weitere aktive Mitarbeit in der Standortinitiative Wurzen e.V. davon abhängig machen, wo und auf welchem Felde diese berufliche Zukunft liegen wird.
 
Dr. Ulrich Heß

Peter Thomas schließt nach knapp 108 Jahren Unternehmensgeschichte das Schuhgeschäft seiner Familie

Wurzen (kol). Vor acht Jahren feierte Peter Thomas noch den 100. Geburtstag des familieneigenen Schuhgeschäfts, nun endet die Unternehmensgeschichte: Momentan bereitet er alles für den Räumungsverkauf vor, der am Montag beginnen soll. Voraussichtlich Ende September gibt der 37-Jährige dann den Betrieb auf.
"Das war keine Entscheidung, die ich von einer Sekunde auf die andere getroffen habe", sagt Thomas. "Immerhin hat meine Familie das Geschäft seit Generationen geführt." Thomas sprach mit seinem Vater. Beide überlegten hin und her. Am Ende blieb aber nur eine Entscheidung übrig: Geschäftsaufgabe. "Ich wollte es nicht so weit kommen lassen, dass ich in meinen Geschäftsentscheidungen von dem Urteil anderer Personen abhängig bin."
Es lag am Kostendruck in der Branche, dass Thomas' Schuhgeschäft nicht mehr rentabel war. "Ich bin der Überzeugung, dass man nur überleben kann, wenn man auf viele Filialen setzt", sagt Thomas. Diesen Plan wollte auch er umsetzen: Im Jahr 2006 eröffnete er einen Filiale in Altenburg. Zwei Jahre später musste er sie aber wieder schließen. Die Nachfrage war zu gering. Die Folgekosten dieser misslungenen Expansion machen ihm heute noch zu schaffen. Auch der Wurzener Laden konnte da nicht helfen. Die Umsätze waren zu gering.
Dabei hatte Thomas in den vergangenen Jahren persönlich versucht, die City zu stärken. Als Mitglied der Standortinitiative Wurzen organisierte er Aktionen wie das Herbstgeflüster mit. Zudem vertrat er die Einzelhändler im Arbeitskreis Innenstadt, den die Initiative gegründet hatte. Seine Bemühungen sieht er nicht als vergebens an. "Aber für Einzelhändler wird es in Kleinstädten immer schwerer, noch Kunden zu finden", so Thomas. Die Innenstädte würde nur noch wenig frequentiert.
Seine persönliche Zukunft hat Thomas bisher nicht erklärt. Es ist nicht einmal abzusehen, ob er in der Region bleiben wird. Deshalb zieht er sich auch aus der Standortinitiative komplett zurück. Die Projekte bis Ende des Jahres will er noch betreuen, danach soll Schluss sein: "Ich hoffe, dass die Händler dann einen neuen Vertreter benennen. Denn bisher war die Zusammenarbeit mit den Unternehmern immer sehr gut." Er selbst sucht gerade eine Anstellung als Vertriebsmitarbeiter in einem großen Konzern. Entschieden ist aber bisher noch nichts. "Das wird wohl auch noch einige Zeit dauern", so Thomas. Erst einmal will er nun den Räumungsverkauf vollenden.

LVZ vom 03.09.2010, S. 19



erstellt: 10. 09. 2010