Hundert Jobs für Wurzen

Hundert Jobs für Wurzen

GEA will Kapazitäten erweitern / Stadtrat gibt grünes Licht für Engagement der Stadt
Wurzen.
Das Unternehmen GEA Klima- und Filtertechnik Wurzen will seine Produktionsanlagen erweitern und braucht dafür Platz an der Lüptitzer Straße. Die betreffenden Grundstücke müssten zuvor jedoch durch die Stadt revitalisiert werden. Jetzt fasste der Stadtrat den entsprechenden Beschluss, angesichts hoher Kosten hängt das Projekt aber noch an Fördermitteln. Es geht um mehr als 100 Arbeitsplätze.
Der einzige aktuelle Tagesordnungspunkt im öffentlichen Teil des Sonderstadtrates am Mittwochabend hatte es in sich. Er betraf die Revitalisierung zweier Flurstücke an der Industriebrache "Altes Motorenwerk" an der Lüptitzer Straße. Dort will die GEA noch in diesem Jahr mit der Erweiterung ihrer Produktionsanlagen beginnen. Am Ende sollen mehr als hundert zusätzlicher Arbeitsplätze entstehen.
Bei der Vorstellung der Pläne sparte Oberbürgermeister Jörg Röglin nicht mit Lob für seine Verwaltung, die seit Monaten intensiv an der Vorbereitung des Jobwunders arbeite. So sei der lastenfreie Erwerb der Grundstücke durch die Stadt bereits eingefädelt worden. Sie sollen für einen symbolischen Euro erworben werden können. Doch nicht alles an diesem Projekt ist zum Schnäppchenpreis zu haben.
Die Kosten für die Sanierung der Grundstücke am Motorenwerk, wo der Boden mit Öl und anderen Schadstoffen verseucht ist, schätzt die Stadtverwaltung nach Auskunft Röglins auf rund 600 000 Euro. Diese Zahl, erklärte Röglin auf Nachfrage von Stadträten, sei unter Hinzuziehung eines Ingenieursbüros zustande gekommen. Momentan arbeite man daran, die Schätzungen durch reale Kostenberechnungen zu untersetzen.
Der Löwenanteil der Summe soll letzten Endes aus Fördermitteln kommen. Hierzu habe die Verwaltung in den vergangenen Wochen verschiedene Förderprogramme durchgespielt und schließlich das "Europäische Brachflächenprogramm" als für geeignet befunden, das auch bei der Revitalisierung des Kasernengeländes in Anspruch genommen wurde. Anders als dort, wo die Förderung noch 90 Prozent betrug, kann das Projekt diesmal nur zu 75 Prozent gefördert werden. Damit müsste die Stadt einen Eigenanteil von geschätzten 135 000 Euro stemmen.
"Dieses Geld können wir nicht aus der Rücklage nehmen", stellte Röglin klar. Stattdessen sollen die Mittel aus der Haushaltsstelle für die Sanierung der Ringelnatz-Grundschule entnommen werden, für die es in diesem Jahr keine Fördermittel vom Freistaat geben wird. Nach der Revitalisierung des Areals will die Stadt die Grundstücke für knapp 60 000 Euro an die GEA verkaufen. Um die Vorleistungen der Kommune abzusichern, soll ein entsprechender Vorvertrag über den Weiterverkauf geschlossen werden. Außerdem wurde klargestellt, dass das Unternehmen seine Steuern hier in der Stadt zahlt. Angesichts der erhofften Arbeitsplätze gaben die Stadträte einstimmig grünes Licht für die Beschlussvorlage der Verwaltung.
Letztere sieht sich nach dem Votum des Stadtrats vor einem straffen Zeitplan. Schon im November will die GEA mit dem Bau beginnen. Bis dahin muss das Areal hergerichtet sein. Nach gegenwärtiger Planung wird kein kompletter Bodenaustausch vorgenommen, lediglich der Aushub für die Baugruben wird fachgerecht entsorgt. Die übrigen Flächen sollen versiegelt werden. Mit dem Beschluss des Stadtrats kann Wurzen seine gemeindewirtschaftliche Stellungnahme an die Landesdirektion vervollständigen, die hinsichtlich der Fördermittel bereits positive Signale aussandte.
Markus Tiedke

LVZ/Muldentalzeitung vom 06.08.2010, S. 17



erstellt: 04. 08. 2010