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Ein Preis für die Begegnung
Das BSW wird beim Wettbewerb "Demokratisch Handeln" für sein Austauschprojekt ausgezeichnet
Wurzen. Das Berufliche Schulzentrum Wurzen wurde mit seinem Schülerbegegnungsprojekt in Auschwitz beim bundesweiten Wettbewerb "Demokratisch Handeln" ausgezeichnet. Mit dem Preis werden Projekte, Initiativen und Ideen gewürdigt, in denen das Lernen für Demokratie und Politik um Erfahrungsmöglichkeiten erweitert wird.
Seit 2006 setzt sich das Projekt aktiv mit Nationalsozialismus und Rechtsextremismus auseinander. Die Schüler fahren gemeinsam nach Auschwitz, tauschen sich dort mit polnischen Jugendlichen aus, treffen auf Zeitzeugen, führen Erhaltungsarbeiten an Gedenkstätten und Kriegsgräberpflege aus. Zu den lehrreichen kommen auch kreative Arbeiten hinzu, dieses Jahr wurde ein deutsch-polnischer Rap-Song geschrieben, letztes Jahr wurde eine Fotoausstellung gestaltet (die LVZ berichtete).
Die Ausstellung mit den Bildern aus Auschwitz war hier im Stadthaus zu sehen, sie hängt jetzt im Landratsant Borna. Hat der Preis etwas verändert? "Wir haben jetzt nicht mehr Geld", sagt Gabriele Hertel dennoch lachend. Sie leitet das Projekt, das seit 2001 deutsche und polnische Schüler zusammenbringt. Seit 2006 fahren sie jedes Jahr nach Auschwitz, vor ihrer Fahrt im Mai wurden sie von Oberbürgermeister Jörg Röglin verabschiedet. "Am Anfang war die Projektarbeit aber sehr schwierig", erinnert sich die Lehrerin. "Gegen die Themen Nationalsozialismus und Rechtsradikalismus herrschte eine große Ablehnung", so Hertel. Aber die praktische Arbeit habe überzeugt. Gerade, wenn die Schüler mit den Polen in Olkusz, einem polnischen Ort in der Nähe von Auschwitz, zusammen arbeiten.
Doch es gäbe auch Probleme. Nicht immer werden die Berufsschüler von ihren Betrieben freigestellt, einmal fehlte auch das Geld. Unterstützt wird das Projekt unter anderem vom deutsch-polnischen Jugendwerk.
Beim Wettbewerb "Demokratisch Handeln" wurden 301 Beiträge von Schulen aller Bundesländer eingereicht. Von den 29 Beiträgen aus Sachsen haben neben dem Berufsschulzentrum Wurzen noch drei weitere gewonnen. Kultusminister Roland Wöller freute sich über die rege sächsische Beteiligung. "Jeder Schüler, der sich mit dem Thema Demokratie aktiv auseinandersetzt, ist ein Gewinn für die Gesellschaft", betonte er. Die Grundprinzipien der Demokratie könne man nicht früh genug lehren und lernen. Nur mit genügend Wissen sei man gegen links- und rechtsextreme Positionen gewappnet, so der Minister. Der Wettbewerb wird seit 1989 für alle allgemeinbildenden Schulen in Deutschland ausgeschrieben. Träger ist die Theodor-Heuss-Stiftung.
Gemeinsam mit den anderen 70 Preisträgern fuhren die Wurzener letzte Woche nach Bremen zur "Lernstatt Demokratie", einer Tagung, bei die Weiterarbeit der Projekte besprochen wurde. Dort nahmen die beiden Schüler Oliver Geißler und Vanessa Erfurt der Wurzener Delegation an weiteren Workshops teil.
Die zweite Begegnung des Austausches zwischen den deutschen und polnischen Schülern findet dieses Jahr in Colditz statt, wo sich die Schüler der Instandhaltung der Zwangsarbeitergräber widmen. Mit ihrem gemeinsamen deutsch-polnischen Rapsong werden sie im September die Anne-Frank-Ausstellung in Grimma eröffnen.
Juliane Streich
LVZ vom 17. Juni 2010
erstellt: 17. 06. 2010
