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St. Wenceslai
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Die Räder sollen heiß laufen
Wurzen (db). Volles Haus in der Chili-Eventbar am Dienstagabend. Einer, der dabei war sagt, hier treffe sich die geistige und einflussreiche Elite der Stadt. Der Mann will ungenannt bleiben. Mindestens fand sich eine illustre Runde ein. Eingeladen von Ulrich Heß, der zur Mitgliederversammlung der Standortinitiative Wurzen (SiW) bat. An die 40 Personen, Geschäftsführer, Händler, interessierte Bürger, lauschten zum Thema "Ringelnatz und Wurzen - wie geht es weiter?" - könnte es weitergehen, muss man sagen.
Architekt Hartmut Krause beschrieb Ist-Situation und Bauperspektive des Ringelnatz-Geburtshauses. Das Haus sei "sanierungsfähig und -würdig", darüberhinaus "bewahrenswert", trotz aufsteigender Nässe und verbautem Treppenhaus. Er stellte die Potenziale von Erd-, Ober- und Dachgeschoss vor. Auch ein Terrassenbereich sei denkbar. Noch genau festzulegende Nutzungen ergäben den Sanierungsrahmen. Schließlich lobte er die günstigen Parkmöglichkeiten und die Anbindung über Wenceslaigasse und Postgasse. Krause sprach vom günstigen Dreigestirn: "Altes Rathaus - Museum - Ringelnatzhaus", das sich entwickeln könnte.
"Die Räder sollen heiß laufen", so die neue Museumsleiterin Sabine Jung. Vorbehaltlich der Entscheidungen des Stadtrates umriss sie erstmals ihre Vorstellungen über die Entwicklung der von ihr, wie sie sagte, zu betreuenden Objekte: Museum, städtische Galerie und Ringelnatzgeburtshaus. Sie könne sich im Erdgeschoss des Ringelnatzhauses eine friesische Teestube vorstellen, im Obergeschoss die Ringelnatz-Dauerausstellung, dazu Leseraum und kleine Bibliothek für Forscher. In zwei kleineren Zimmern wäre Raum für kleinere Ausstellungsformate. Ins zweite Obergeschoss könnten Ringelnatzverein, Geschichtsverein und die Freunde des Museums ziehen. Noch besser wäre es, wenn die Stadt ein Gegengewicht zum Ringelnatz-Lyrik-Preis, den Cuxhaven regelmäßig vergibt, schaffen könnte. Für Stipendiaten sollte dann eine Unterkunft eingerichtet werden. Die genannten Vereine müssten dann im Museumsgebäude in der Domgasse unterkommen. Sie sähe dort überdies eine Ausstellung zur Industriegeschichte Wurzens.

Schließlich regte sie die Teilung der Räume der städtischen Galerie im Alten Rathaus an. "Zwei Drittel für die Galerie, ein Drittel für die Kinderbibliothek." Wurzen sollte nicht zögern, nicht bremsen, sondern seine Chance begreifen.
Auch die ehemalige Museumsleiterin Angelika Wilhelm und Vorsitzende des Ringelnatzvereins mahnte ranzuklotzen. "Wir haben die größte Ringelnatz-Sammlung überhaupt und wollen den Nachlass von Ringelnatz, der derzeit noch von einem Nachfahren in Berlin verwaltet wird, erwerben. Dazu muss die Stadt die Kräfte bündeln, Verwaltung und mögliche Sponsoren aus der Wirtschaft gleichermaßen."
LVZ vom 6.5.2010
erstellt: 06. 05. 2010
