Eine Stadt bewegt sich

Eine Stadt bewegt sich

Drittes Nachtshopping wird zum Erfolg und bekommt auch von der Jugend großes Lob

Wurzen. Aller guten Dinge sind drei. Selbst wer ansonsten mit Zahlensymbolik wenig am Hut hat, käme hinsichtlich des 3. Wurzener Nachtshoppings nicht umhin, vorbehaltlos zuzustimmen. Die Stadt war in Bewegung, präsentierte sich freundlich und frisch. Und mittlerweile scheinen die Wurzener selbst „ganz oben" einen Stein im Brett zu haben. Denn nicht mal Petrus machte ihnen einen Strich durch die Rechnung.

An gewöhnlichen Freitagen herrscht in der Stadt spätestens ab 18 Uhr gähnende Leere. In Parkplatznot gerät König Kunde maximal vor den Supermärkten am Rand. Nicht so am vergangenen Freitag. Wer bis ins Zentrum gefahren war, brauchte ein wenig, eine freie Stellfläche zu finden und konnte dabei schon kribbelig werden. Denn Musik lag in der Luft. Auf den Straßen und Fußwegen spazierten Menschenmassen. Hier und dort bildeten sich Grüppchen. Es wurde geschwatzt und gelacht. Allein dieser Anblick machte Lust, sich endlich ins Getümmel zu stürzen. Geschafft. Das Gefährt stand. „Wenn alle Brünnlein fließen...", sang Leander vorm Optiker Rost, griff herzhaft in die Gitarrensaiten und schaffte es sogar, dass einige ihre Scheu verloren und kräftig einstimmten. Brünnlein flossen hier zwar nicht. Dafür jede Menge Sekt. Überhaupt: Durst und Hunger dürften selbst bei jenen nicht aufgekommen sein, die ohne Abendbrot und vielleicht sogar ohne einen Euro in der Tasche das Haus verlassen hatten. Hier ein Gläschen Kribbelwasser, dort ein Schälchen Grüne Wiese oder auch Tee. Obsthäppchen und Vitamintrunk gab's im Reisebüro Hessel. Gut beraten war, wer hier nach einer Runde Gucken landete. Denn eine Nackenmassage von Fachfrau Susann Quickert machte fit für die weitere Tour. „Einfach schön. Es wird immer organisierter, ohne steif zu wirken", lobte eine Wurzenerin das Nachtshopping. Sie genieße den Abend, um zu bummeln und sich in den Geschäften umzusehen. Andere wollten Rabatte nutzen, mit denen viele Händler in die Innenstadt lockten. „Wir sind wegen der Brillen hier", gestanden zwei Meltewitzerinnen und stürzten sich bei den Optikern ins Getümmel. Das musste schon mögen, wer unterwegs war. Überall in den Geschäften war richtig was los. Doch die Gäste waren fröhlich und entspannt. Die Gewerbetreibenden strahlten. Und mancher hatte mit dieser besonderen Nacht nicht nur symbolisch den roten Teppich für König Kunde ausgerollt. „Einen roten Teppich haben wir schon seit der Premiere", lachte Heidi Jentzsch, die mit einer Modenschau ihre Angebote präsentierte. Es sei viel Arbeit in der Vorbereitung fügte sie hinzu und lobte ihre fleißen Helfer. Ein Model hatte sogar die eigene Geburtstagsfeier verschoben. Unterm Strich jedoch beflügelten diese intensiven Stunden, waren sich die Gewerbetreibenden einig und brächten Kundschaft und Geschäft auf besondere Weise näher. Es hatte sogar den Anschein, als ändere sich die Wahrnehmung der Innenstadt selbst bei denen, die Wurzen sonst eher mit Begriffen der Langeweile charakterisierten. Denn auch viele Jugendliche waren unterwegs. „Ist schon cool. Endlich ist mal was los. Wir wollen zwar nichts kaufen. Aber es ist toll. Wurzen mal so erleben", sagte Denis Gröger, einer der jungen Leute, die mit Freunden durch die Stadt streiften. Conny Hanspach

LVZ 22.03.2010



erstellt: 25. 03. 2010