Bunte Blumen als Zeichen gegen braune Ideologie

Bunte Blumen als Zeichen gegen braune Ideologie

Friedensgebet in der Wenceslaikirche/ Neonazi-Demonstration auf dem Markt
Wurzen (il/an). Zu einem Friedensgebet der evangelische Kirchgemeinde Wurzen waren gestern etwa 160 demokratisch gesinnte Bürger in die Stadtkirche St. Wenceslai gekommen. Unter den Teilnehmern waren auch der Stadtrat, Oberbürgermeister Jörg Röglin, die Landtagsabgeordnete Hannelore Dietzschold sowie die Bundestagsabgeordnete Katharina Landgraf.
„Weil uns der Frieden in unserer Stadt nicht gleichgültig ist, stemmen wir uns dagegen", sagte Pfarrer Martin Schiefer, „dass heute auf dem Markt Rechte demonstrieren, die einer menschenverachtenden Ideologie anhängen und dass unter dem Deckmantel des Opfergedenkens die kriegstreiberische Rolle Deutschlands im Zweiten Weltkrieg relativiert wird".
Gemeindepädagoge Stefan Winkelmann blickte 65 Jahre zurück, als die alliierten Flugzeuge Dresden zerstörten - eine Erinnerung, die noch heute bewege und verstöre. „Die Bombardierung war ein Verbrechen, die Antwort auf die Verbrechen der deutschen Wehrmacht wie die Bombardierung von Coventry und Rotterdam."
Vikar Stephan Vorwergk sprach davon, dass „unsere Großväter und Väter zu Gewalt verführt" wurden, und dass uns die Opfer von damals keine Ruhe geben. „Wie soll man mit der Schuldfrage bei Soldaten, Mördern, Peinigern umgehen, gibt es einen Zweck, der Gewalt als Mittel rechtfertigt", fragte er und wies darauf hin, dass Gewaltanwendung um andere zu schützen, heute konsensfähig sei. Doch Gewalt verkrüppele nicht nur die Opfer, sondern auch die Täter. „Wir werden uns der Gewalt nicht entziehen können, wir müssen uns ihr stellen - als Menschen auf der Straße, als Menschen der Kirche", gab er zu bedenken. Winkelmann lud dazu ein, anschließend bei einem Spaziergang auf der Liegenbank Blumen abzulegen als Zeichen dafür, „dass wir für unsere Stadt Buntes wollen und nichts Braunes".
Für die gleiche Zeit hatten Neonazis auf dem Wurzener Marktplatz eine Demonstration angemeldet. Etwa 70 Teilnehmer folgten dem Aufruf der „Jungen Ñationaldemokraten Muldental". Sie entrollten Transparente und entzündeten Fackeln. Der Markt war von rund 300 Polizeikräften und ihren Fahrzeugen umstellt, die Situation blieb während der gesamten Zeit friedlich. Als der Zug der Teilnehmer des Friedensgebetes eintraf, die Rosen und Gerbera in den Schnee steckten, löste sich die Versammlung der Rechtsextremen langsam auf.

LVZ/Muldentalzeitung vom 15.02.2010



erstellt: 18. 02. 2010