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„Standortinitiative Wurzen" bringt Wanderausstellung ins Bornaer Museum
Borna. Das Plakat zur neuen Ausstellung über Wurzens Industrie gibt bereits eine guten Überblick. Zu sehen sind die markanten Türme der Nahrungsmittelindustrie GmbH, die Stadtkirche, das bis dato unbesetzte Silo-Gebäude und der Dom des ehemaligen Bischofssitzes Wurzen. Die Gleisanlage, die LVZ-Fotograf Andreas Röse für das Plakat mit dem starken Teleobjektiv festgehalten hat, deutet auf eine rege Wirtschaft in der ehemaligen Kreisstadt, erklärt Ulrich Heß. Der ist der Vorsitzende des Vereins „Standortinitiative Wurzen" (SIW), die in Kooperation mit dem Verein „Sächsisches Wirtschaftsarchiv" (SWA) aus Leipzig die Wanderausstellung auf die Beine stellte. Gestern Abend wurde sie im Bornaer Museum eröffnet und soll bis zum 31. März laufen.

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„Wir haben uns auf drei Schwerpunkte konzentriert: die Historie der Unternehmen und deren wirtschaftlicher Stand von 2008 sowie deren Ausbildungsmöglichkeiten", so der Wurzener. Anfangs war geplant, die Exposition im Landratsamt in der Stauffenbergstraße in Borna aufzubauen. Dort gab es jedoch Überschneidungen mit anderen Ausstellungen. Die Bornaer Diplom-Archivarin Veronique Töpel, Geschäftsführerin des SWA, knüpfte die Kontakte zum Museum.
Für Museumsleiterin Gabriele Kämpfner durchaus ein Glücksfall. Nach der Ausstellung über die Fürsten- und Landesschule Grimma in der Kreisstadt folgt nämlich mit dem Wurzener Industriestandort ein zweites Thema, das regionsübergreifend ist. „Vor der Fusion der beiden Landkreise Muldental und Leipziger Land haben wir eher in kleineren Bereichen gedacht", so Kämpfner. Deren Mitarbeiter stellten zudem im letzten Jahr die hiesige Bergbaugeschichte im Grimmaer Museum vor, was schon im Rahmen der Kulturförderung notwendig sei. „Zudem ist die Wurzener Ausstellung bestens geeignet, unsere neuen Nachbarn näher kennenzulernen", so die Museumsleiterin gegenüber dieser Zeitung.
Auf den Schautafeln ist zu lesen, dass die Unternehmer des Industriestandortes Wurzen in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts selbstbewusst mit dem Weltanspruch auftraten. Dank der berühmten Wurzener Kekse und die Filze für die berühmtesten Klavierhersteller, Förder- und Transportanlagen und nicht zuletzt die ersten Elektrofahrzeuge mit Oberleitung. Laut Heß entstand damals die erste Filzfabrik deutschlandweit. „Die Leistungsfähigkeit der Mehrzahl der Unternehmen bot nach der Wende gute Chancen, um in der Marktwirtschaft neu zu starten", so der Wirtschafts- und Unternehmungshistoriker Heß. Doch nicht alle Unternehmensgründungen seien von Erfolg gekrönt gewesen. So stieg die Arbeitslosigkeit durch den Strukturwandel zeitweise beängstigend an. Heute existieren in Wurzen und seinen Ortsteilen zirka 60 Unternehmen der verarbeitenden Industrie und Dienstleister. Ein Teil davon wird in der Wanderausstellung vorgestellt.
Die wurde 2008 erstmalig in der Wurzener Kirche gezeigt und 2009 im Chemnitzer Industriemuseum. Nach Borna sei auch Warstein, die Partnerstadt von Wurzen, als weitere Station geplant. Bei der Eröffnung gestern Abend waren die Oberbürgermeister beider Städte zu Gast. Wurzens Oberhaupt Jörg Röglin (parteilos) wurde genau wie OBM Simone Luedtke (Linke) erstmals 2009 gewählt. Da Landrat Gerhard Gey (CDU) derzeit im Urlaub weilt, hat ihn seine Mitarbeiterin Gesine Sommer vom Amt für Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung vertreten.

Peter Krischunas

LVZ/Ausgabe Borna-Geithain vom 16.02.2010



erstellt: 18. 02. 2010