Hitch beschert spannende Entdeckungen

Hitch beschert spannende Entdeckungen

Filmmuseum Wolfen: Ungewöhnliche Sichten auf technische Strukturen

Hitch mit dem Froschauge, das natürlich keins ist. (FOTO: ANDRÉ KEHRER)
WOLFEN/MZ. Guckt einen da nicht ein Froschauge an? Der Fotokünstler lacht. "Könnte sein", meint er. Natürlich ist es kein Froschauge. Das wäre ja zu einfach, denn der Berliner Fotograf Hitch, der ab Samstag im Industrie- und Filmmuseum (Ifm) Wolfen ausstellt, macht es schon kompliziert. Er fotografiert technische Strukturen - Drahtgeflecht zum Beispiel oder Teflon-Gewebe, gestapelte Pappe oder eine Kiste volle Erdnussflips. Und so entpuppt sich das gedachte Froschauge als extreme Nahaufnahme eines Bohrtischs, in dem das Werkzeug schon seine Spuren hinterlassen hat.

 "Mich faszinieren Strukturen", sagt der 42-Jährige. "Ich entdecke so Sachen, die andere im Alltag nicht entdecken. Aber als große Abbildung entdecken sie sie dann und fangen an, sich damit zu beschäftigen." Und das ist dann
schon überraschend, denn aus dem Kontext gerissen sehen diese extremen Nahaufnahmen exotisch aus. Wer denkt schon an den Blick in einen Schornstein, wenn er ein bräunliches, stachelbewehrtes rundes, sich zum Bildmittelpunkt verjüngendes Etwas sieht?
Auf solche Art Überraschung setzt Hitch. Über 70 Bilder und 33 Objekte, die in Zusammenarbeit mit Firmen entstanden sind, hat er in Wolfen ausgestellt. Dabei stellt er Firmen in den Mittelpunkt, die in dem jeweiligen Bundesland, in dem er ausstellt, eine innovative Rolle spielen. Diesmal hat Hitch seine Arbeit durch Aufnahmen aus der Drahtweberei Raguhn, dem Tablettenbetrieb von Bayer, dem Filmhersteller Filmotec und dem Hersteller beschichteter Textilglasgarne und -gewebe, der PD Aitec, ergänzt. Insgesamt 20 Unternehmen vereint er in der Ifm-Schau.
"Es sind immer ganz minimalistische Sachen, die abstrakt sind", sagt er, "für mich ist das auch jedes Mal neu und interessant." In den 80er Jahren hat er diese Liebe zu den technischen Strukturen entdeckt. Dazu gehören auch Architekturfotos. Hier interessieren den Künstler ausschließlich die hypermodernen Bauten, die stehen in Shanghai, Dubai, Peking - "wo ganz abgefahren gebaut wird". "Da gibt es total spannende Sachen."
Hitch fotografiert ausschließlich mit der Leica-Analog-Kamera auf Dia-Film. Die Bilder werden so entwickelt, wie er sie aufgenommen hat, nichts wird nachgearbeitet. Da legt er Wert drauf. "Das Digitalfoto macht der Computer, hier mache ich es", sagt er, "ich will den kreativen Prozess. Alles andere lehne ich völlig ab." Wissend, dass heute kaum noch ein Fotograf so arbeitet, setzt er lachend hinzu: "Deswegen stelle ich ja auch im Museum aus."
Seit 2002 verfolgt Hitch dieses Langzeit-Projekt, das er "TechStruct - Germany" genannt hat. Unter dem Siegel "Made in Germany" werden die innovativen Produkte der von ihm unter diesem Aspekt ausgewählten Unternehmen weltweit verkauft und geschätzt. In seinen Fotografien umgibt sie nun etwas Geheimnisvolles - im wahrsten Sinne. So findet sich manches Bild im Konferenzraum, im Chefzimmer, im Foyer der Unternehmen, in denen Hitch seine Entdeckungen gemacht hat.

Ergänzung durch die SiW e.V.:
Folgende Wurzener Unternehmen sind in der Ausstellung präsent:

Fotos:

  • NEUMAN & ESSER Maschinenfabrik Wurzen GmbH
  • Wurzener Nahrungsmittel GmbH
  • GEA Klima- und Filtertechnik Wurzen GmbH
  • Fahrzeugbau Deckwerth GmbH & Co. KG
  • WRC World Resources Company GmbH
  • Sächsische Quarzporphyr-Werke GmbH, Betrieb Lüptitz 

Fotos und Installationen:

  • Filzfabrik Wurzen GmbH

Bitterfelder Zeitung, VON CHRISTINE KRÜGER, 13.11.09



erstellt: 19. 11. 2009