Wurzener Nächte können lang sein

Wurzener Nächte können lang sein

Wurzen. Wurzener Nächte können lang und unterhaltend sein. Das vergangene Wochenende lieferte dafür einen eindrucksvollen Beweis.

Nachtshopping, Boxnacht, Kneipennacht lockten neben anderen kulturellen Angeboten die Besucher. Die waren absolut begeistert, wenngleich unterm Strich doch gewünscht wurde, künftig eine solche Ballung der Ereignisse zu vermeiden.
Im Fazit der zweiten Wurzener Musik-Kneipennacht stand dann doch, was einige Realisten zuvor befürchtet hatten. Gleich drei Dinge auf einmal mögen zwar im Überraschungsei für ungeteilte Begeisterung sorgen. Für das Gästepotenzial einer Kleinstadt indes bedeutet das Überforderung. Nicht dass die Kneipen gänzlich ohne Gäste waren und die Stimmung am Tiefpunkt kratzte. Diese Schlüsse konnten keineswegs gezogen werden. Im „Alten Hut" wurde gedrängelt. Peer Oxon zog mit seiner Stimme in den Bann. Auch Klinge und Mr. Fog in der Wartburg hatten ihr Publikum ebenso wie Neumann im Wurzener Biergarten, Papa Joe im Amadeus, das Torsten Walter Duo im Schloss oder Extraherb im Musikpub. Dem Vergleich zum Trubel der Kneipennacht-Premiere im vergangenen Jahr indes hielt der Zustrom diesmal nicht stand.
„Das muss besser abgesprochen werden. Doch die Wirte sollen weitermachen. Toll ist das Angebot auf jeden Fall", fasste Lutz Prenzel aus Wurzen zusammen. Wenn das passiert, dürften die Gastronomen 2010 ähnliche Glücksgefühle haben, wie die Händler der Stadt. Die nämlich landeten mit ihrem zweiten Nachtshopping einen Volltreffer. Sie bewiesen Kreativität, lockten mit Angeboten, präsentierten sich auf außergewöhnliche Weise. Modenschauen auf Straßen und Plätzen, beleuchtete Einkaufstüten auf den Wegen, Kerzen, Gerüche, hier ein Gläschen Sekt, dort selbst gemachte Bowle, Snacks, Musik, Tanz und lockere Gespräche - Wurzen und die Wurzener zeigten sich von ihrer Schokoladenseite. Nichts war zu spüren vom normalen Einkaufsstress. Wer bislang das neudeutsche „shoppen gehen" mit dem Schleppen von Tüten gleichsetzte, revidierte sich. Entspannt und voller Lust wurden Tüten, Taschen und auch Köpfe gefüllt. Denn eine Erfahrung nahmen die Besucher auf jeden Fall mit: Es lohnt, sich hier in den Geschäften umzusehen. Conny Hanspach

LVZ/Muldentalzeitung vom 09.11.2009, S. 19



erstellt: 12. 11. 2009