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Uhr wird nicht angehalten – Hussock macht weiter
Gelder für Stadtmarketing genehmigt / Kämmerin skeptisch
Wurzen (db). Katrin Hussock wird Wurzen auch in den kommenden beiden Jahren als Stadtmarketing-Koordinatorin begleiten. Mit 18 Ja-Stimmen bei vier Enthaltungen fiel die Entscheidung pro Hussock eindeutig aus. Vorgesehen ist, in den Haushalt 2010 und 2011 jeweils 40000 Euro für die Honorarstelle einzustelle. Hussocks Stelle, die jetzt ausgelaufen wäre, bleibt weiterhin befristet.
Vor der Abstimmung wurde intensiv über den Beschlussvorschlag der Verwaltung diskutiert. Für einen unerwarteten Auftritt der Kämmerin Uta Schwarze sorgte Roland Mühlners (CDU) Nachfrage. Der wollte wissen, warum der Beschlussvorschlag nicht die Unterschrift der Kämmerin trage. Schließlich gehe es um eine erhebliche Honorarsumme, so Mühlner. Ähnlich sah es Kathrin Gehres-Kobe (CDU). Uta Schwarze begründete das Fehlen ihrer Unterschrift mit der angespannten Haushaltslage 2010 und in den kommenden Jahren. So deute sich derzeit ein Defizit im Verwaltungshaushalt 2010 in Höhe von 1,7 Millionen Euro an (die LVZ berichtete bereits). „Ich rechne mit erheblich sinkenden Schlüsselzuweisungen. Für das kommende Jahr werden es voraussichtlich 22 Prozent weniger sein", erklärt sie. Andererseits sei der Investitionsbedarf „enorm hoch." Ihre treibe das die Sorgenfalten auf die Stirn. Darüber könnte auch die voraussichtlich gut sprudelnden Gewerbesteuern 2009 nichts ändern. Die Kämmerin betonte aber auch, dass ihre fehlende Unterschrift nichts mit der Arbeit Hussocks und ihr als Person zu tun habe. Als Finanzerin müsse sie vor Finanzengpässen warnen. CDU-Fraktionschefschef Matthias Rieder, der sich klar für ein langfristig angelegtes Stadtmarketing aussprach, bat nach dem Schwarze-Statement um eine Beratungspause seiner Fraktion.
Nach 30 Minuten Pause stieg Rathauschef Jörg Röglin mit einem Zitat von Henry Ford in die Sitzung ein: „Wer aufhört zu werben, um Geld zu sparen, kann auch die Uhr anhalten." Und Matthias Rieder hatte seine Fraktion „in Klausur" genommen. Bekanntlich kommen die meisten skeptischen Stimmen über eine externe Stadtmarketingkraft aus den CDU-Reihen. „Wir haben ein wenig Bauchgrummeln, wissen allerdings, dass es in Sachen Stadtmarketing weiter gehen muss.", so Rieder. Man wünsche sich allerdings mehr Transparenz hinsichtlich der Kosten rund um Honorarstelle. Nicht aus Misstrauen Hussocks gegenüber, sondern weil es um Geld gehe.
Jörg Röglin erklärte vor der Abstimmung, Hussock werde sich demnächst verstärkt dem Marketing nach außen und vor allem der Vorbereitung der 1050-Jahrfeier Wurzens 2011 widmen. Überdies werde sie Varianten einer selbsttragenden Betriebsform für das Stadtmarketing prüfen - zum Beispiel Verein, Genossenschaft oder Eigenbetrieb.
Stimmen zum Marketing
Jörg Röglin, Rathauschef: Die Verwaltungsmitarbeiter sind auf Grund von Qualifikation und Tagesgeschäft nicht in der Lage, das Stadtmarketing zu leisten. Eine Stadt-Vermarktung nach außen ist durch Ehrenamtliche kaum machbar. Die Händler organisieren sich zunehmend wieder selbst, da ist was Gutes angeschoben worden.
Heinz Richerdt, Fraktionschef SPD: Stadtmarketing-Aktivitäten tragen dazu bei, Publikum anzulocken. Das hilft auch den Händlern. Jetzt einfach aufzuhören, wäre Unsinn.
Viola Heß, Bürger für Wurzen: Wir brauchen nicht nur eine Innenstadtvermarktung, sondern eine professionelle Außendarstellung und touristisches Marketing. 40000 Euro sind für solch eine komplexe Aufgabe nicht viel Geld. Wir müssen Formen finden, in denen auch die Nutznießer des Marketings neben der Stadt an sich - Unternehmer und Gewerbetreibende - in eine Art Marketing-Topf mit einzahlen.
Klaus Meißner, Fraktionschef Linke: Die koordinierten Händler-Aktivitäten waren vor dem Hussockeinsatz eingeschlafen. Das Stadtmarketing zu streichen, ist kurzsichtig.
Roland Mühlner (CDU): Ich teile die Skepsis mancher Wurzener, dass 40000 Euro zu viel Geld sind. Das ist eine zu üppige finanzielle Ausstattung.
Brief an Fraktionen: Einige Händler wandten sich vor der Ratssitzung per Brief an die Fraktionen. Darin heißt es: „Da wir im letzten Jahr eng mit Frau Hussock zusammengearbeitet haben, können wir sagen, dass wir uns glücklich schätzen, mit ihr jemanden gefunden zu haben, der gestalterisch und mit Ideen hilft." Die Händler würdigen Hussocks Motivation, Kreativität und ihr fundiertes Fachwissen. Dem Brief waren 93 Unterschriften beigefügt.
LVZ Muldentalzeitung vom 30.10.2009, S. 19
erstellt: 30. 10. 2009
