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Hussock: Wurzen auf Aufholjagd
Marketing-Koordinatorin bekennt sich zu Wurzen / Stadtrat entscheidet Mittwoch über Weiterbeschäftigung
Wurzen. Katrin Hussock hat Pech. Als die Stadtmarketing-Koordinatorin in der August-Sitzung des Stadtrates Rechenschaft über ihre bisherige Tätigkeit hielt, war der Abend nach turbulenten Wahlgängen für die Ausschüsse schon fortgeschritten. Am kommenden Mittwoch tagt der Rat erneut. Wieder erst ganz am Schluss wird es um Stadtmarketing und um Katrin Hussock gehen, deren 16monatiger Honorarvertrag Ende 2009 endet. Die Verwaltung schlägt eine Verlängerung vor.
Die Aufnahmefähigkeit der Abgeordneten schien in jener Premiere-Stadtratssitzung im August schon sichtbar gesunken. Hussock verknappte daraufhin ihre Rede. Viele Bemerkungen und Botschaften dürften dabei unausgesprochen geblieben oder der Umstände wegen untergegangen sein. Unglücklich, denn Hussock fühlte sich auch deshalb zur Rechenschaft angehalten, so formulierte es die Protagonistin selbst, „weil es aus verschiedenen Wurzener Ecken immer wieder provokant fragend hieß: Was macht Stadtmarketing-Koordinatorin Hussock eigentlich?" Wenigstens gab es für jeden Abgeordneten den 18 Seiten umfassenden Rechenschaftsbericht mit nach Hause. Es war schließlich 23 Uhr als Hussock vom Rednerpult ging. Zuvor hatte sie betont, ihr „Herz schlage für Wurzen". Sie würde ihren Job gern fortsetzen, schränkte aber ein: „Nach über einem Jahr freiberuflicher Arbeit als Stadtmarketing-Koordinatorin halte ich diese Form der personellen Stadtmarketingumsetzung für den Anspruch dieser Tätigkeit in Wurzen für ungeeignet. Es fehlt die Vernetzung in die Arbeit von Kulturbetrieb und Tourist-Info." Die Anforderungen an die Stelle, Maßnahmen umzusetzen und zu überwachen, ohne Weisungs-, Personal- und Budgetbefugnis seien nur auf kompliziertem Wege erfüllbar. Entscheidungsfindungen gestalteten sich ebenfalls kompliziert, es gebe extrem langwierige Prozesse in Gremien, die teilweise kontraproduktiv seien. „Zielgerichtete Diskussionen sind erwünschte Elemente von Stadtmarketing, dürfen aber nicht im Zerreden und Aufschieben enden", so Hussock.
Ihrer Ansicht nach empfiehlt sich, einen Stadtmarketing-Koordinator in bestehende Verwaltungsstrukturen zu integrieren. Von einer zeitlichen Befristung des Stadtmarketings rät Hussock ab. „Denn viele Maßnahmen greifen erst nach Jahren intensiver Arbeit. Kurzfristige Ergebnisse dürfen nicht als Maßstab für den Erfolg von Stadtmarketing dienen." Eine Gesellschaft ändere sich nicht allein durch Stadtmarketing, Stadtmarketing unterstütze jedoch den Veränderungsprozess, glaubt Hussock. Und, dass Wurzen eine intensive Fortsetzung des Stadtmarketingprozesses brauche. „Damit die Stadt den Anschluss an Städte wie Grimma und Torgau nicht verliert." Wurzen befinde sich auf Aufholjagd, längst noch nicht auf der Überholspur. Um dort hin zu kommen, brauche es ein „ausreichendes Budget" und genügend „qualifiziertes Personal".
Mittwoch wird Katrin Hussock wieder Thema sein. Erneut am Schluss einer langen Tagesordnung (17 Punkte). Die Verwaltung schlägt vor, die Honorarstelle für Stadtmarketing 2010 und 2011 fortzuführen. Dafür sollen für Personalkosten jährlich offenbar, wie bisher, 40000 Euro in den Haushalt eingestellt werden. Der Verwaltungsausschuss stimmte in nicht öffentlichen Sitzung am 12. Oktober bei einer Enthaltung dem Vorschlag zu.
Ob Katrin Hussock nach ihrer Analyse und Sicht auf die Dinge sowie unter Vorbehalt der Zustimmung des Rates dem Angebot folgen wird, war von ihr bis gestern nicht zu erfahren. Drago Bock
LVZ Muldentalzeitung vom 23.10.2009, S. 19
erstellt: 30. 10. 2009
