SUCHE

St. Wenceslai
Aktuelles
Fahrgestelle nach Maß
Wurzener Familienunternehmen baut seit über 90 Jahren Fahrzeuge
Wurzen. Fahrzeugbau mit Tradition betreibt seit über 90 Jahren das Familienunternehmen Paul Deckwerth aus Wurzen. Spezialisiert ist die Firma auf die Sonderanfertigung von Lkw-Anhängern und -aufbauten, die sie nach den Wünschen ihrer Kunden baut. Nun wurde der Betrieb für den Wirtschaftspreis 2009 vorgeschlagen.
Schon in den 20-er Jahren hatte der Gründer der nach ihm benannten Firma Paul Deckwerth vom Kutschenwagen- auf den Fahrzeugbau umgesattelt. Mittlerweile leitet sein Enkel Matthias Deckwerth den Betrieb. Kerngeschäft ist die Entwicklung und Produktion von Aufbauten und Anhängern für Nutzfahrzeuge. Das Besondere: Deckwerth liefert Anhänger nach den exakten Vorstellungen seiner Kunden. „Fertige Fließbandware gibt es bei uns nicht", sagt Matthias Deckwerth. „Bei uns ist alles Maßarbeit." Das beginne mit dem Einbau von Heizungen und Klimaanlagen in Standardlastwagen und reicht bis zur eigenen Entwicklung und Produktion von kompletten Anhängern. So baut Deckwerth etwa eigene Geflügelanhänger mit elektrischen Jalousien und CO2-Sensoren.
Grundsätzlich versucht Deckwerth, allen noch so ausgefallenen Wünschen seiner Kunden gerecht zu werden. „Unser kuriosester Auftrag war wahrscheinlich der Umbau eines Unimog, in den die Umweltmesstechnik vom Leipziger Uniriesen eingebaut wurde", erinnert sich Matthias Deckwerth. „Das war nicht ganz einfach, weil die Instrumente durch das geöffnete Dach ausfahrbar sein sollten."
Zu den bekanntesten Produkten des Wurzeners Unternehmen jedoch gehört sicherlich das unverwechselbare Robur-Fahrerhaus. Vater Christoph Deckwerth entwickelte dieses in den 50-er Jahren und lieferte es an das Zittauer Fahrzeugwerk. Reibungslos verlief die Firmengeschichte nicht. Ein Schock-Jahr war 1972. Der Staat enteignete Christoph Deckwerth - und er wurde damit zum Angestellten im ehemals eigenen Familienbetrieb. Nachfolger Matthias Deckwert arbeitete zunächst als Karosseriebauer in Ludwigsfelde und studierte später Maschinenbau.
Mit der Wende konnte er das ehemalige Familienunternehmen, auch dank eines Bankkredites, rasch reprivatisieren. Mittlerweile ist die Zahl der Mitarbeiter auf 40 angestiegen, darunter sieben Auszubildene. Im Jahr baut Deckwerth bis zu 200 Anhänger und Lkw um, rund 50 Anhänger werden speziell angefertigt. Ein Familienunternehmen ist die Firma Deckwerth bis heute geblieben. „Meine Frau leitet die Buchhaltung", sagt Matthias Deckwerth. Die Tochter studiert Betriebswirtschaft, der Sohn hat sein Maschinenbaustudium bereits abgeschlossen und beide arbeiten aushilfsweise mit im Unternehmen. „Ob meine Kinder die Firma später übernehmen wollen, wird sich zeigen, aber ich gehe davon aus", sagt Deckwerth. „Zunächst einmal sollen sie noch Erfahrungen in anderen Unternehmen sammeln, bevor sie zurück in den Familienbetrieb kommen."
jan Iven
LVZ/Muldentaler Zeitung vom 15.10.2009, S. 19
erstellt: 15. 10. 2009
