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Deutliches „Ja“ beim Nachtshopping
Wurzener Premiere überzeugt Kunden und Gewerbetreibende / Heiratsantrag in der Jacobsgasse.
Wurzen. Das erste Wurzener Nachtshopping ist Geschichte und wird gewiss auch welche schreiben. Denn die Offerte der Innenstadthändler warf Fragen auf, gab Antworten und stellte bislang als unumstößlich geltende Bewertungen vom Kopf auf die Füße.
Das Verhältnis zwischen Wurzener Händlern und ihren Kunden und den Wurzenern zu ihrer Stadt durfte bislang durchaus als ambivalent bezeichnet werden. Aus allen Lagern gab es Kritik. Mit „Hier ist nichts los" wurde die Situation insgesamt beschrieben. Die Gewerbetreibenden waren ob der vielmals ungehörten Appelle frustriert. Ihrer Erfahrung nach schaffte der Wurzener seine Euros viel zu schnell in große Einkaufszentren und die nahe Messestadt, anstatt sich von Angebot und Service vor der Tür zu überzeugen. Die Fronten waren gezogen. Die Meinungen übereinander - Ausnahmen gab es natürlich immer - sorgten für Verdruss auf allen Seiten. Noch dazu ließen leere Schaufenster das Szenario einer sterbenden Innenstadt in greifbare Nähe rücken. „Wenn ich glaube, nichts dagegen tun zu können, muss ich nicht mehr aufmachen", hatte Schuhhändler Peter Thomas, bei einem Händlertreffen deutlich gemacht, vor welcher Wahl die Gewerbetreibenden stehen. Offensichtlich haben die Händler eine Entscheidung getroffen. Nach ersten gemeinsamen Aktionen und Versuchen, mit Individualität zu locken, brach das erste Nachtshopping alle Dämme. Kunden und Händler gestanden sich ein, das nicht erwartet zu haben. Hunderte waren zwischen Martin-Lutherstraße und Wenceslaigasse unterwegs. Überall lockte Besonderes. Hier gab es Sekt, dort Schnittchen oder Musik. Dabei blieb jeder der Händler in seinem Metier. Lediglich mit außergewöhnlichen Präsentationen machten sie in geballter Aktion auf Stärken aufmerksam, die König Kunde mit Sicherheit auch beim Einkaufsbummel am Tage abfordern könnte. Allerdings sorgten das abendliche Licht, die Kutsche, mit der durch die Stadt gefahren werden konnte und Musik für besonderes Flair. Genau das wurde für Lutz Broy und Claudia Sack zum ganz privaten Highlight. Der Nemter ließ sich in die Jacobsgasse kutschieren und machte seiner Freundin vor öffentlicher Kulisse einen Heiratsantrag. Die 28-Jährige saß ahnungslos als Brautmodell im Schaufenster der Chic GmbH in der Jacobsgasse. Es gab natürlich ein klares „Ja" auf die alles entscheidende Frage. Ein ebensolches ließen die Händler vernehmen. Es war nicht nur daher geredet, wenn Kunden mit den Öffnungszeiten haderten, räumte Gabriele Kardasch aus der Wenceslaigasse ein. „Das müssen wir unbedingt wieder machen. Einmal im Quartal wäre denkbar", sagte Christine Freigang in der Bahnhofstraße. Denn es trat ein, womit die Händler nicht gerechnet hatten: die Leute guckten, schauten nicht nur, sondern kauften auch. Conny Hanspach
LVZ, Muldentaler Zeitung v. 23.03.2009, s. 17 und 19
erstellt: 30. 03. 2009
