Schrammen am Gemeinschaftslack

Schrammen am Gemeinschaftslack

Unterschiedliche Bewertung der Weihnachtsaktionen beim Händlertreff am Dienstagabend

Wurzen. Die Wurzener Händler zogen eine insgesamt positive Bilanz der Dezemberaktionen. Mehr Gäste als sonst besuchten die Innenstadt, als Straßenfeste und Weihnachtsmarkt liefen. „In diesem Sinne weitermachen", lautete die Devise des fünften Händlertreffens. Friede, Freude, Eierkuchen-Stimmung herrschte aber nicht. Denn in der Debatte krachte es kurzzeitig auch mächtig.

Seit vier Monaten sitzen die Innenstadthändler zusammen, um vereint Strategien zu entwickeln, mit denen Kundschaft verstärkt gelockt und das Wurzener Zentrum belebt werden kann. Unterstützt werden sie dabei von Stadtmarketingkoordinatorin Katrin Hussock und Wolfgang Gloger von der Standortinitiative. Gloger moderiert die Treffen. Hussock analysiert die Situation und macht Vorschläge. Miteinander wird diskutiert und verwirklicht. Das gab neuen Schwung und erste Ergebnisse im Dezember mit Straßenfesten, einem Adventskalender und dem Weihnachtsmarkt. All das wurde am Dienstag in der „Rodelbahn" positiv bewertet. Den Gegenpol setzte Händlerin Christine Freigang. Sie wollte wissen, was ihren Kollegen das Ganze wirklich gebracht habe und forderte ehrliche Antwort. Schönfärberei mache keinen Sinn. „Der Schlendrian wurde gut angenommen. Doch es kann nicht sein, dass wir ihn bezahlen und die Leute lassen ihr Geld trotzdem nicht in unseren Geschäften." Einsteigen in die kritische Sicht wollte hier noch niemand. Händler, die näher am Markt ihr Geschäft haben, äußerten sich lobend. Mehr Kundschaft sei unterwegs gewesen, auch an den Abenden. Zudem schlügen sich Aktionen nicht sofort in steigenden Umsätzen nieder. Damit war das Thema abgehakt. Allgemeine Begeisterung. Katrin Hussock und Wolfgang Gloger erzählten von der positiven Außenwirkung. Noch nie seien die Menschen so begeistert gewesen. Vielleicht brachte das „nie" Christine Freigang auf die Palme? Sie hielt nun nicht mehr hinterm Berg. Sie höre andere Meinungen. Die Stadt sei tot, es fehle Bewegung, die Leute brächten ihr Geld in Großmärkte an der Peripherie oder nach Leipzig. Überhaupt sei das alles nicht neu. Wurzener Händler waren auch vor der Ära Stadtmarketing aktiv. Jahrelang hätte sie sich selbst in der Werbegemeinschaft engagiert. Genützt hätte es nichts. „Haben Sie bei mir schon mal eine Jeans gekauft?", fragte sie Wolfgang Gloger spitz. Der bejahte zwar, doch für den Moment war der Lack ein wenig ab vom einigen Miteinander. Als Gloger dann noch erklärte, dass die Aktivität der Händler in der Werbegemeinschaft doch dem eigenen Geschäft gedient habe, er sich indes völlig ehrenamtlich vor den Karren spanne, platzte die Bombe. Michael Freigang ging. Seine Ehefrau aber blieb und nahm dann auch die Entschuldigung Glogers an. Natürlich sei zuvor schon vieles gelaufen, sagte er. Ihn brächte das Negativdenken nur in Rage. Das bringe nicht nach vorn. Katrin Hussock ergänzte. „Wir erfinden nichts Neues, sondern knüpfen an vielem an." - „Wenn wir keine Zukunft sehen, müssten wir morgen nicht mehr aufmachen", setzte Peter Thomas einen Schlusspunkt. Gloger gelang es schließlich, den Gefühlsausbruch konstruktiv zu verarbeiten: „Es muss künftig gelingen, dass auch Geschäfte, die etwas weiter weg sind vom Zentrum, verstärkt vom Weihnachtsmarkt profitieren."

Conny Hanspach _ LVZ vom 15.01.2009



erstellt: 19. 01. 2009