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Aktuelles
Impulse aus der Oberpfalz
Wirtschaftsförderung im Landkreis soll neue Qualität bekommen
Landkreis. Cham tat und siegte. In seiner wirtschaftlichen Entwicklung arbeitete sich der Landkreis in der Oberpfalz aus dem Status eines Notstandsgebietes zur Aufsteigerregion in Bayern hoch. Aktuell liegt die Arbeitslosenquote dort bei 2,7 Prozent. In den 80er Jahren standen über 20 Prozent in den Statistiken. Weltweit führende Unternehmen arbeiten hier. Nicht jedes hat einen Autobahnanschluss oder eine ausgebaute Schnellstraße vor den Werkstoren. Unter diesen Firmen ist keine, die von irgendwoher kommend das Oberpfälzer Hinterland entdeckte. Vielmehr wurden ansässige Unternehmen so gestärkt, dass sie mit der Region verwurzelt blieben und dennoch im globalen Wirtschaftsgefüge ihren Platz behaupteten.
Das ließ jetzt Muldentaler aufhorchen. Sie statteten der Vorzeigeregion einen Besuch ab. Ziel war es, mit Klaus Schleglbauer, Kopf der dortigen Wirtschaftsförderung, ins Gespräch zu kommen und sich Impulse für neue Förderstrukturen im Landkreis Leipzig zu holen. Die Unabhängige Wählervereinigung (UWV) sowie Matthias Berger und Jörg Röglin (Oberbürgermeister aus Grimma und Wurzen) gaben den Anstoß. Die Wurzener Standortinitiative knüpfte den Kontakt zu Schleglbauer.
Ihm hörten Bürgermeister, Vertreter aus Unternehmen und Behörden zu und kehrten mit neuen Denkansätzen zurück. Schleglbauer hatte das „Wir-Gefühl" und damit die Identifikation von Einwohnern, Unternehmen sowie Mitarbeitern in Behörden einer Region als Grundvoraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg genannt. Die Identifikation müsse stimmen, bevor eine Region nach außen powert. Mit einer Wirtschaftsfördergesellschaft, einem Sachgebiet Wirtschaftsförderung und Regionalmanagement sowie einem Aktionskreis, der als Verein Kräfte bündelt, arbeite der Chamer Landkreis mit drei Säulen bei der Wirtschaftsförderung. Schleglbauer erklärte, dass er allen drei Säulen vorstehe. „Wirtschaftsförderung ist Marketing. Ein erfolgreicher Wirtschaftsförderer ist ein Netzwerker mit einem guten Adressbuch. Da hinein gehören Firmen, Schulen, Behörden", sagte der Diplomingenieur. Die Muldentaler horchten auf. Ziemlich schnell wurde erkannt, wo neue Möglichkeiten für den Landkreis Leipzig liegen und wo bisherige Ziele neu definiert werden müssen.
So sei kein „Wir-Gefühl" für den gesamten Kreis zu verordnen. Stärke entstehe durch regionale Identifikation. „Muldental, Kohrener Land, Neuseenland - die Regionen sollen sich weiter als Regionen verstehen und daraus eigene Kräfte mobilisieren. Dann aber muss es eine Klammer geben, die alles bündelt", sagte Gesine Sommer, Chefin des Kreisentwicklungsamtes. Das Ziel, Aktivitäten zu starten und Netzwerke zu bilden, mit deren Unterstützung es gelingt, die junge Generation in der Region zu halten, könnte eines dieser bindenen Elemente sein. Entscheidend für Wohl und Wehe einer Region werde in den kommenden Jahren das Potenzial gut ausgebildeter Fachkräfte sein. Und die müssen dort, wo sie Geld verdienen, verwurzelt sein, weil ihre Arbeitsbedingungen gut sind und sich die Freizeit gut erleben lässt, sagte Schleglbauer. Die Besucher verstanden und wollen Erkenntnisse ziemlich schnell zu Nägeln mit Köpfen machen.
Conny Hanspach
Leipziger Volkszeitung, 15.11.2008
erstellt: 18. 11. 2008
