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Aha-Erlebnisse am laufenden Band
© Leipziger Volkszeitung vom 29.09.2008
Ausstellung "Industrie in Wurzen gestern - heute - morgen" weckt Stolz auf Heimatstadt
Wurzen. Früher, ja da hatten wir in Wurzen Unternehmen, heißt es oft, und gleich danach folgt die Aufzählung: Teppichfabrik, Motorenwerk, Brauerei, Mafa, Wutra, Luftfiltertechnik... alles nicht mehr da. Oder doch? Die neue Ausstellung in der Wenceslaikirche "Industrie in Wurzen gestern - heute - morgen" beantwortet diese Frage und sorgt für manche Aha-Erlebnisse.
Wurzen hat einen Dom, ein Schloss, eine historische Innenstadt und feiert in drei Jahren das 1050. Jubiläum. Hier wurden Ringelnatz, Lichtwer und Uhlig geboren. Das alles macht die Stadt besonders. Außergewöhnlich aber wird Wurzen durch seine über 150-jährige Industriegeschichte. Oberbürgermeister Jörg Röglin schlug in der Eröffnung der Ausstellung am Sonnabend eine Brücke zwischen den Persönlichkeiten, die in der Kultur längst ihr Denkmal haben, und denen, die als Industriepioniere hier ihre Spuren hinterließen. Sie sorgten dafür, dass Wurzen sich zu einem Industriestandort mauserte, der in Sachsen selten ist. Der Blick zurück, was es einst hier gegeben habe, sei legitim. „Doch sind die Unternehmen wirklich alle weg?", fragte Röglin und lud ein, den Blick zu schärfen. Die Ausstellung der Standortinitiative, gefördert durch die EU, gebe ausreichend Gelegenheit zu entdecken, welche Vielfalt und welchen Stellenwert Wurzens Industrie heute noch hat. "Und sie kann besonders Jugendlichen, die hier eine Ausbildung absolvieren wollen, Orientierung bei der Berufswahl bieten. Wir haben einen Mix, der von der Textilbranche über die chemische und Nahrungsmittelindustrie bis hin zum Maschinenbau reicht", sagte Jörg Röglin.
Begleitet von Musik - Bertram Quosdorf aus Dresden spielte Saxophon - ließen die Besucher dann die ersten Eindrücke der Exposition auf sich wirken. Einst und Jetzt schmelzen auf vielen Steckbriefen der Unternehmen ineinander. So macht, was 1912 als Apparatebau Julius Wilisch das Laufen lernte, später als VEB Luftfiltertechnik hunderten einen Arbeitsplatz bot, heute als Gea Klimatechnik von sich reden. Ein Rundgang reiche nicht, so waren sich viele Gäste einig. Und sie erkannten zudem, dass der weit verbreitete Pessimismus hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt fehl am Platz ist. Die Wurzener Industrie hat sicher eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Doch sorgten Unternehmerpersönlichkeiten, Ideen und Fachkräfte dafür, dass sie mittlerweile in aller Welt zuhause ist, ergänzte Ulrich Heß, der als Wirtschaftshistoriker und Vorsitzender der Standortinitiative maßgeblich am Zustandekommen dieser Exposition beteiligt war. Heß forderte zudem auf, die Wäscheleinenausstellung auf der Empore zu vergrößern. Hier reihen sich private Fotos und Kopien aus Vergangenheit und Gegenwart der Wurzener Betriebe aneinander. Mit einer möglichen Länge von knapp 40 Metern könnte diese private Sicht den Rekord der ersten Wäscheleinenausstellung in der Teppichfabrik brechen. Conny Hanspach
Bis zum 7. November präsentieren sich in der Ausstellung 20 Wurzener Unternehmen der Vergangenheit und Gegenwart und erzählen von aktueller Leistungsstärke und historischer Tradition des Industriestandortes Wurzen. Geöffnet ist die Exposition dienstags bis sonntags, 14 bis 17 Uhr, und auf Anfrage.
erstellt: 29. 09. 2008
