Schiemann-Bahnrad als Extra

Schiemann-Bahnrad als Extra

© Leipziger Volkszeitung vom 25.09.2008

Wurzens Industrie einst und jetzt / Verein präsentiert ab Sonnabend Ausstellung in Stadtkirche

Wurzen.
Der Countdown läuft. Am Sonnabend, 27. September, 11 Uhr, öffnet die Ausstellung "Industrie in Wurzen: Gestern-Heute-Morgen" in der Stadtkirche St. Wenceslai ihre Pforten. Jetzt, wenige Tage vor Beginn der Präsentation wird im Gotteshaus gewirbelt. Das Team der Werbeagentur Pekasus um Thomas Genedl liegt in den letzten Zügen beim Gestalten der Schautafeln. Mike Vierrath und Klaus Mehnert von der Firma Gea Filtertechnik Wurzen installieren ein spezielles Lüftungsgerät und Andrea Roth vom Förderverein der Stadtkirche hat alle Hände voll zu tun, zu koordinieren, das alle Ausstellungsstücke ihren vorgesehenen Platz finden.

Gestern konnte sie noch ein bemerkenswertes Stück entgegennehmen. Ein mehrere Dutzend Kilo schweres vollgummibereiftes Rad stellte Jan Täschner zur Verfügung. Der Wurzener hatte das Exemplar vor gut sechs Monaten nahe seiner Werkstatt in der Lüptitzer Straße gefunden. Dass es sich dabei vermutlich um ein Rad der einst bis Anfang des 20. Jahrhunderts in Wurzen verkehrenden Schiemann-Bahn handelt, ahnte er damals jedoch nicht. Täschner erzählt: "Offensichtlich wollte jemand das Teil einfach loswerden. Zuerst konnte wir uns nicht erklären, woher das Rad stammt." Dem Mechaniker war nach kurzer Prüfung schnell klar, dass es sich weder um ein Antriebsrad noch um ein Rad von einer Lenkachse handeln könne. "Wir recherchierten und stießen schließlich auf eine historische Aufnahme der Wurzener Schiemann-Bahn. Ich bin sicher, dass das Rad zu der Bahn gehört", sagt der 30-jährige Täschner.

In der Ausstellung wird das Fundstück nun zu sehen sein. Gleich daneben das großformatige Foto - vermutlich 1906 aufgenommen -, das die Schliemann-Bahn im Crostigall zeigt.
Die Ausstellung "Industrie in Wurzen: Gestern-Heute-Morgen" - organisiert von der Standortinitiative Wurzen (SiW) in Kooperation mit dem Förderverein Wenceslaikirche - zeigt bis zum 7. November die wirtschaftliche Kraft und Entwicklung der Ringelnatzstadt einst und jetzt. Überdies sollen Schülern Ausbildungsmöglichkeiten präsentiert werden. "Dazu werden sich 16 Firmen vorstellen. Sie vertreten die Schwerpunkte Wurzener Industrie, also die verarbeitende Industrie, den Maschinenbau, die chemische Industrie, die Nahrungsmittel-Industrie, das Dienstleistungsgewerbe und die Textilindustrie", erklärt SiW-Vorsitzender Ulrich Heß. Ebenso spielten historische Firmen eine Rolle, die den Ruf der Muldestadt als ein Zentrum mittelständischer Industrie mit begründet haben. Drago Bock

Die Ausstellung öffnet Samstag 11 bis 17 Uhr, anschließend ist dienstags bis sonntags 14 bis 17 Uhr geöffnet.

 

Gehörte vermutlich zur legendären Schiemann-Bahn: Andrea Roth präsentiert das historische Rad samt zeitgenössischer Fotografie des Fahrzeugs. Foto: Drago Bock



erstellt: 25. 09. 2008